APNOE SK2

Freitauchen ist der Trendsport im VDST. Im SK 2 steht die sichere Ausübung des Tieftauchens im Fokus.

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Du holst ein letztes Mal tief Luft. Tauchst kraftvoll ab, nimmst regelrecht „Anlauf“, um die ersten auftriebsstarken Meter hinter dich zu bringen. Dein Unterbewusstsein registriert den perfekten Druckausgleich. Du schwingst dich mit weiten Schlägen deiner langen Flossen in die Tiefe,  und schwebst,  den einsetzenden Abtrieb nutzend, zu deinem Zielpunkt hinunter. Einige Augenblicke verweilst du, schaust dich um, saugst die faszinierende Stimmung in dich hinein, eine Mischung aus Stille, blaugrüner Dämmerung und – auch dem Bewusstsein einer latenten Gefahr. Aber Du hast Dich unter Kontrolle, denn der Rückweg liegt noch vor dir. Du gehst die ersten zehn Meter des Aufstiegs relativ schnell an, dann nimmt Dir der beginnende Auftrieb die Sauerstoff kostende Flossenarbeit ab. Du fliegst dem Licht entgegen, checkst den Stand deiner  beginnenden Atemnot, siehst den Sicherungspartner, die Wasseroberfläche, die Boje. Das gibt dir Sicherheit. 

Das Tieftauchen ist die wirkliche Faszination im Apnoesport. Schon vor über 16 Jahren war das für den VDST Anlass genug, nach dem Apnoe SK 1 auch den Spezialkurs Apnoe 2 zu kreieren.  Das gekonnte Streckentauchen bringt zwar gute Voraussetzungen, das Tieftauchen ist aber eine ganz andere Liga. Das verdeutlicht auch dieser uralte Vergleich: taucht man im Schwimmbad locker die 50 Meter, so müsste man bei seinem ersten Tieftauchversuch 25 Meter erreichen – weit gefehlt! Die Psyche ist der bestimmende Faktor! Der Kopf befiehlt die vorzeitige Umkehr, um den Rückweg sicher zu stellen. Macht man die ersten Versuche nicht im Mittelmeer, sondern in unseren Seen wie in Hemmoor, dann kommen gleich drei weitere hemmende Umstände ins Spiel: geringere Sichtweiten, das dunkle Umfeld und je tiefer, desto kälter. Genau hier setzt auch der SK 2 an. Unter der Anleitung der hochmotivierten Ausbilder steigern die Teilnehmer ihr Selbstvertrauen und das Vertrauen in den Sicherungspartner. Sie lernen, ihre eigene Leistungsfähigkeit einzuschätzen, auszunutzen und so ihre erreichbaren Tiefen innerhalb Stunden oft frappierend zu verschieben.

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Was sollte man mitbringen für den SK 2?

Neben der entsprechenden Motivation ist ganz sicher die Teilnahme am SK 1 eine gute Voraussetzung. Er vermittelt grundlegende Fertigkeiten wie Atemanhaltefähigkeiten, Flossentechniken und Bewegungsformen. Gefordert wird auch die ärztliche TTU. Wichtig ist die Fähigkeit zum problemlosen Druckausgleich. An Ausrüstung bringt man am besten die mit, mit der man vertraut ist. (Der Schnorchel sollte einfach von der Maske zu lösen sein) In warmen Gewässern genügt oft ein 3-mm-Neopren mit entsprechendem Bleigürtel. In kaltem Wasser ist ein 5-mm-Anzug nebst Kopfhaube, Füßlingen und dünnen Handschuhen angesagt. Noch dickere Anzüge haben Nachteile in Form eingeschränkter Bewegungsfreiheit und deutlich größeren Auftriebsdifferenzen zwischen Oberfläche und Tiefe.

Was läuft da bei diesem SK 2?

Der Kurs geht über zwei Tage. Am Anfang und auch zwischen den Tauchgängen steht unumgängliche Theorie. Dabei werden medizinische Aspekte wie die Vermeidung von Barotraumen und Blackouts beleuchtet, sinnvolle Vorbereitungen und Atem- und Druckausgleichtechniken vermittelt und die so wichtige Partnersicherung erklärt. Möglichst zeitnah vor dem tauchen haben sich Entspannungsübungen wie Yoga sehr bewährt.

Im Wasser trifft man sich an einem unverzichtbaren Trainingsgerät, der großen Apnoeboje mit der mindestens zehn Millimeter starken Grundleine und einem schweren Grundgewicht. Diese Leine ist sozusagen der Leitfaden in die Tiefe. Sie ermöglicht die Orientierung und vermittelt das Gefühl von Sicherheit durch die ständige Zugriffsmöglichkeit zum Beispiel bei einem Beinkrampf. An der Leine lassen sich verschiebbare Tiefenmarkierungen anbringen, so dass der tauchende nicht durch Blicke auf seinen Tiefenmesser abgelenkt wird.

Ganz am Anfang stehen einfache Übungen , der Check von Tarierung, Druckausgleich und Tagesform. Das gekonnte Abtauchen mit sehr wenig Blei ist eine entscheidende Fertigkeit. Ein unterstützender Armzug und ein kräftiger Antritt auf den ersten Metern sind hilfreich. Klappt das nicht, dann gibt es einen entsprechenden Fehlstart, der Zeit und Sauerstoff kostet. Demonstriert wird die Beobachtung, Sicherung und Begleitung des Tauchenden durch den Tauchpartner beim Aufstieg. Die Teilnehmer lernen, dass man den Schnorchel nur für die Sicherung benötigt, weil der beim tauchen selbst nur hinderlich ist. Gezeigt und erlebt wird, dass man es nicht bei einem nur „runter und gleich wieder rauf“ belassen sollte: ein Aufenthalt in der Tiefe, und seien es nur zehn Sekunden in der schweigenden Dämmerung, vermittelt erst die wirkliche Faszination dieser Art des Tauchens.

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Welche Variationen werden beim SK 2 probiert?

Der SK 2 läuft meist über ein komplettes Wochenende. Dabei werden im Regelfall vier Tauchgänge gemacht. Neben den bereits beschriebenen Tiefensteigerungen werden oft eine ganze Reihe Tauchvariationen ausprobiert.

Free Immersion: sich mittels kräftiger Armzüge an der Grundleine hinab zu ziehen, ist schon ein besonderes Erlebnis. Es fühlt sich an, als ob es kraftsparender sei als der Vortrieb mittels der Flossen, weil man die Muskelarbeit sozusagen direkt umsetzen kann.

Tauchen ohne Maske: eine wichtige Fertigkeit, die real durch Maskenverlust sehr hilfreich sein kann. Durch Zukneifen der Lider bis auf einen winzigen Schlitz verbessert sich die Sehschärfe deutlich.

Tauchen mit Blindmaske: der tauchende nutzt dazu die Grundleine. Er muss sich dabei auf den begleitenden Sicherungspartner und/oder Ausbilder verlassen können. Diese Übung schult auch das Gespür für die erreichte Tiefe, die er nach dem Auftauchen einschätzen soll.

Tauchen mit Gewicht: einfach toll dieses Gefühl, ohne Kraftanstrengung in die Tiefe gezogen zu werden und dabei auch die durch die Kompression von Lunge und Neopren bedingte Beschleunigung zu erfahren.

Tauchen in Rückenlage: eine für Apnoe wertvolle Fähigkeit. Anwendbar zum Beispiel beim Heraustauchen aus Grotten, um Kollisionen zu vermeiden. 

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Fazit: zwischen dem Sporttauchen mit Gerät und dem Tieftauchen in Apnoe liegen Welten.

Der Apnoist schwingt sich mit leichtester Ausrüstung in die Tiefe. Er ist dabei vier oder fünf Mal so schnell wie ein Gerätetaucher. Der Druckausgleich muss perfekt funktionieren, was in der Kopf-über-Haltung für einige ein echtes Problem sein kann. Jeder Stopp für diesen Ausgleich kostet dann Zeit und Sauerstoff. Konträr auch das Auftauchen: geschwindigkeitskontrollierter Aufstieg mit nochmals reduzierter Fahrt auf den letzten Metern? Weit gefehlt! Genau das Gegenteil spielt sich ab. Die Ausdehnung der Gase in Lunge und Anzug in Verbindung mit wenig Blei sorgen für eine rasante Beschleunigung.

Auch solche Erfahrungen sind es, die den Erlebnisfaktor beim SK 2 ausmachen. So gibt es praktisch immer ein sehr positives Feedback seitens der Teilnehmer, die sich über vorweg nicht für möglich gehaltene Leistungssteigerungen beim Tieftauchen freuen.

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Unser Autor:

Erhard Schulz

VDST-TL***, Apnoe -TL 

Stellv. Ausbildungsleiter in Schleswig-Holstein 



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