MISCHMASCH

Rebreather- und Sidemounttauchen sind keine Nischen mehr– Also, was tun bei gemischten Tauchteams?


Schon auf der boot 2018 war es deutlich zu sehen – Rebreather- und Sidemount-Ausrüstung wohin man schaut. Ist das klassische Tauchgerät auf dem Rücken (Backmount) out? Sicher nicht – aber wir haben zunehmend mit gemischten Tauchgruppen zu tun und müssen bewährte Sicherheitskonzepte neu überdenken.  In der Tauchausbildung ist es weltweit durch die CMAS und auch im VDST klar geregelt: Jeder Tauchlehrer hat das gleiche Tauchsystem wie der Schüler – das heißt, ein Rebreather-TL taucht selbst mit Rebreather, ein Sidemount-TL bildet in Sidemount-Ausrüstung aus, demnach trägt der TL in der klassischen Tauchausbildung ein Rückengerät mit den Ventilen nach oben.Doch nach der Ausbildung ist in der Praxis vieles offen. Gemischte Gruppen sind immer häufiger zu sehen. Andere Länder handhaben dies strenger: In Frankreich beispielsweise ist gesetzlich geregelt, dass alle Taucher einer Tauchgruppe das gleiche System und die gleichen Atemgase nutzen müssen – aus Sicht der Tauchsicherheit sicher eine sinnvolle Lösung. Im VDST-Fachbereich Ausbildung wird die Entwicklung genau beobachtet und über Sicherheitskonzepte in gemischten Gruppen diskutiert. Die beiden wichtigsten Grundregeln gelten für alle Taucher – vollkommen unabhängig vom Tauchsystem. 
1. Wir müssen uns selbst und den Tauchpartner zum kritischsten Zeitpunkt des Tauchprofils – sprich: am Ende der Grundzeit – sicher an die Oberfläche bringen können. 
2. Wir müssen den Tauchpartner, unabhängig vom Tauchsystem, retten können, das beinhaltet die Rettung zur Oberfläche, den Transport und das Verbringen an Land oder ins Schiff.

Und was sagst Du?
Wie im letzten VDST-sporttaucher, bitte wir um eure Beteiligung. 
– Welche Erfahrungen habt ihr bei gemischten Gruppe? 
– Gab es Zwischenfälle? 
Bitte schreibt einen Kommentar zu diesem Artikel!



Unser Autor:
Frank Ostheimer
Stellv. Fachbereichsleiter 
Ausbildung







SIDEMOUNT IM TEAM
Diese „gemischte Tauchgruppe“ ist einfach zu händeln. Gleichwohl gibt es einige Punkte, auf die es zu achten gilt. Wir gehen hier von einer Kaltwasserausrüstung mit zwei Stageflaschen aus. Die Sidemounttaucher wechseln in regelmäßigen Abständen die Atemregler, um die Tauchgeräte gleichmäßig „abzuatmen“. Das Intervall und die Zeichengebung dazu müssen gut abgesprochen werden. 

Vor dem Tauchgang:
•   Mit dem Tauchsystem vertraut machen: Manche tragen einen langen Mitteldruckschlauch an einem Atemregler – andere zwei gleiche Mitteldruckschläuche mit zirka einem Meter Länge. 
•   Sitz und Bedienung des Inflators müssen für eine Rettungssituation klar vermittelt werden – nicht alle tragen den Inflatorschlauch an der für OC-Taucher  gewohnten Stelle. 

Notatmung! – Tauchpartner ohne Luft
•   Hier gilt, dass immer der Regler abgegeben wird, den man gerade im Mund hatte. Der Tauchpartner in Luftnot muss schnell und sicher versorgt werden. 
•   Wenn der Sidemounttaucher als Gasspender gerade seinen Atemregler mit langem Mitteldruckschlauch im Mund hatte, ist die Prozedur klar und bekannt. Bei kürzeren Schläuchen schränkt es die Handlungsfähigkeit des Teams zunächst ein. 
•   Geübt werden sollte auch, dass eine Stageflasche abgegeben werden kann. Damit haben beide Taucher wieder ihre Bewegungsfreiheit. 

Rettung des Tauchpartners
•   Hier zeigten eine Reihe von Praxistests während VDST-Tauchlehrerprüfungen, dass die Rettung eines Sidemounttauchers keinerlei Probleme machte. Auch umgekehrt – der Sidemounttaucher als Retter funktionierte einwandfrei – gleichwohl auch hier gilt: nicht nur theoretisch durchsprechen, sondern üben!



CCR MIT OPEN CIRCUIT
Vor dem Tauchgang
•   Der OC-Taucher muss sich vor dem Tauchgang mit dem Rebreather vertraut machen. 
•   Der OC-Taucher muss die wichtigsten Zwischenfälle kennen, wissen, was zu tun ist und wie der CCR-Taucher diese anzeigt (Wasser im Kreislauf, Gasverlust, Ausfall von Sensoren, Symptome von Atemgasvergiftungen, Atemkalkprobleme …
•   Der OC-Taucher sollte sich mit den Anzeigen der zum Teil sehr komplexen Computer der CCR-Geräte vertraut machen.

Notatmung! – Tauchpartner ohne Luft
Der OC-Taucher kann den CCR-Taucher wie gewohnt über die Abgabe seines Hauptreglers mit langem Mitteldruckschlauch sicher versorgen – aber umgekehrt?
•   Der CCR-Taucher muss eine alternative Versorgung für sich und den Partner mitführen – und: Die Abgabe muss sicher und schnell funktionieren! Diese „Bail-out“-Versorgung wird oft vernachlässigt, was 2018 in einem tödlichen Unfall endete. 
•   Wir sehen unterschiedliche Techniken: Manche CCR-Taucher haben „zweite Stufen“ an den Rebreather Gasflaschen (Luft/Trimix und Sauerstoff) angeschlossen, andere führen eine oder mehrere Stageflaschen mit. Wichtig: immer mit ausreichenden Gasmengen für beide Taucher.
•   Die Notatmung in beide Richtungen muss vor tiefen Tauchgängen geübt sein. 

Rettung des Tauchpartners
•   Die komplexere Ausrüstung (verschiedene Gasflaschen, zusätzliche Schläuche, Elektronik) sind für den OC-Taucher zunächst ungewohnt. 
•   Für die Rettung eines CCR-Tauchers muss man wissen, wie man die Atemgasversorgung bis zur Oberfläche sicher gewährleistet. Der Sauerstoffgehalt im Atemkreislauf sinkt beim Aufstieg drastisch und kann in den hypoxischen Bereich fallen. Zunehmend haben CCR-Taucher hierfür ein „Bail-Out-Ventil“, das heißt der CCR-Taucher steigt aus dem Kreislauf aus und atmet aber aus seinen Tauchgeräten, ohne das Rebreathermundstück herauszunehmen. 
• Beim Notaufstieg dehnt sich das Volumen in folgenden Bereichen aus: Im Trockentauchanzug, im Jacket und in der Gegenlunge des Rebreathers. Die Schnellablässe müssen schnell und gut bedienbar sein.





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