FREI ZEIT

Diese kurze Zeittafel bildet nur einen kleinen Rahmen der Entwicklung des Sporttauchens in der DDR. Über Details berichten wir in unserer neuen Serie: Tauchen in der DDR


1949 – Am 7. Oktober 1949 wird die Deutsche Demokratische Republik, fünf Monate nach der Bundesrepublik Deutschland, mit einer von der Sowjetunion eingesetzten Regierung als sozialistischer Arbeiter- und Bauernstaat gegründet. Zur selben Zeit entwickelt der 19-jährige Berliner Helmut Keßner, heute einer der bekanntesten Tauchsportpioniere in der DDR, seine erste Schwimmflosse: ein Feuerwehrschlauch, in den ein Brett hineingeschoben und der hinten zusammengebunden wird. Der Heinitzsee, ein vollgelaufener Kalksteinbruch bei Rüdersdorf mit sehr klarem Wasser wird das Tauchgewässer der Berliner! 

1950 – In der DDR – überwiegend aus dem Raum um Berlin – gibt es ungefähr 130 Tauchsportbegeisterte, darunter Helmut Keßner, Kurt Klingbeil, Martin Krödel, Dietrich Kühlmann, Fritz Reusrath, Joachim Wagner und Helmut Wolff. 

1951 – Keßner und Steinert, rührige junge Bastler von Tauchzubehör machen Urlaub am Heinitzsee. Im Gepäck selbst gebaute Tauchmasken, Harpunen und eine UW-Kamera. Im Herbst macht Steinert mit einer Altix in einem Zwei-Millimeter-Stahlblechgehäuse erste UW-Aufnahmen.

1952 – Im Juli wird in der DDR die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) gegründet. Hauptaufgabe indes ist die wehrsportliche Ausbildung und die Vorbereitung auf den Wehrdienst. Drei Jahre später gehören ihr auch rund 50 Sporttaucher an. Wieder treffen sich Keßner und Steinert am Heinitzsee, diesmal tauchen sie mit selbst gebauten Sauerstoff-Kreislauftauchgeräten. Im Sommer gesellen sich zur Gruppe drei Berliner Oberschüler: Johannis Watermann, Jürgen Schmidt und Peter Zenthöfer. Im Herbst schneidern sie sich die ersten Schaumgummi-Kälteschutzanzüge.

1953 – Gerhard Steinert konstruiert einen zweistufigen Atemregler, bis Anfang der sechziger Jahre einer der bis dato wenigen gut funktionieren Atemregler in der DDR. Helmut Keßner entwirft eine Schwimmflosse, die im VEB Degufa produziert wird. 

1954 – In der DDR kommt das Sauerstoffkreislaufgerät Medi-Nixe („Giftsack“) des VEB Medizintechnik Leipzig auf den Markt. Mitgeliefert werden Schwimmflossen und Tauchmaske. Die ersten Tauchsportgruppen, so auch die Mitglieder der Berliner Gruppe um Fritz Reusrath, treten in die GST ein. Der VEB Medizintechnik Leipzig produziert das erste Schlauchtauchgerät (STG 721) mit dem dazugehörigen Zubehör, etwa Brustgewicht, Taucherschuhe, Handhebelpumpe und Taucherautomat.





1955 – Der Zentralvorstand der GST wird aus Halle nach Berlin-Neuenhagen verlegt. Im Rahmen einer Ausbilderschulung steigen Sporttaucher aus Suhl unter der Leitung Kurt Klingbeils erstmals in die Lütsche-Talsperre bei Oberhof.  Die Firma Curow aus Dresden bringt das erste kommerzielle UW-Gehäuse der DDR auf den heimischen Markt, die Tauchtax. Das stabile Aluminiumguss-Gehäuse hat einen Rahmensucher mit Parallaxenausgleich und beherbergt die Kleinbildkamera Taxona.

1956 – Die Firma Kurt Mathius aus Leipzig produziert die ersten zweiteiligen Trockentauchanzüge der Marke „Pinguin“. Im Juli findet im Rahmen der GST der erste zentrale Lehrgang für Sporttaucher statt. Ort: Marineklub Rostock-Gehlsdorf. Der VEB Medizintechnik Leipzig stellt das Drucklufttauchgerät Medi 713 her.

1957 – Der deutsche Archäologe Gerhard Kapitän und befreundete Sporttaucher untersuchen im Werbelinsee die Reste von Pfahlbauten, die Wissenschaftler vor 50 Jahren gesehen haben wollten. Ihre Vermessungen deuten auf eine Ritter-Fluchtburg aus dem 13. Jahrhundert hin.

1958 – Die Firma W. Wolter aus Dessau, liefert das etwa 440 DM kostende UW-Kameragehäuse „Aquaprax“ aus.  Im Zentralvorstand der GST in Neuenhagen wird die zentrale Kommission Tauchsport gegründet. Leitung: Dr. Dietrich Kühlmann.Der VEB Medizintechnik bringt das erste Presslufttauchgerät, das MEDI 713 heraus.

1959 – In Berlin-Köpenick wird das Wassersporthaus Neptun eröffnet – das führende Wassersportgeschäft der DDR. Oft nur hier werden alle jene Tauchsportartikel, die für den allgemeinen Warenbedarf freigegeben sind, gelegentlich auch anboten. Im August finden in Rostock-Warnemünde die 1. DDR Meisterschaften im Tauchsportmehrkampf statt. Je eine Mannschaft aus Rostock, Dresden, Leipzig, Arnstadt und Dessau beteiligt sich. Rostock siegt.

1960 – 1. Internationaler Tauchsportwettkampf  in Polen. International soweit, als es eigentlich nur ein 3-Länderwettkampf (Polen, Sowjetunion, DDR) ist, aus dem sich aber später die Wettkämpfe für das Orientierungstauchen entwickeln.

1961 – Im August wird die Berliner Mauer errichtet und mit dem Beginn einer strikten Abschottung gegenüber der westlichen Welt erlöschen für DDR-Sporttaucher Reisemöglichkeiten zu den Tauchrevieren der Welt. 

1962 – Im Januar erscheint in der DDR im Deutschen Militärverlag in Berlin-Treptow die erste Ausgabe des „Poseidon“, der Zeitschrift für Tauchsport – Tauchertechnik – Flossenschwimmen – Unterwasserfotografie. Erster Chefredakteur: Joachim Wagner.

1963 – Die GST erhält im Mai in Berlin-Hessenwinkel einen Zentralen Tauchsportklub. Klubleiter: Rudolf Richter.





1965 – Im April wird vom Ministerrat eine „Anordnung über die Durchführung und Ausübung des Tauchsports in der DDR“ erlassen, nach der das Tauchen mit Tauchgeräten nur noch im Rahmen der GST gestattet ist. Außerdem müssen alle privaten Geräte registriert werden. Das Tauchgerät wird als „Fluchthilfsmittel“ eingestuft. Auf der Leipziger Herbstmesse stellt Klaus- Dieter Huffziger aus Leipzig das erste kommerzielle UW-Gehäuse für die Praktisix vor.Der VEB Medizintechnik beginnt mit der Produktion des PTG Hydromat, das bis 1974 in verschieden Versionen ausgeliefert wird.

1966 – Unter Schirmherrschaft der GST wird der Tauchsportklub der DDR etabliert. Präsident: Dr. Helmut Wolff. Die Geschäftsstelle befindet sich im Zentralvorstand der GST in Neuenhagen bei Berlin. 

1967 – wird der Tauchsportklub der DDR einstimmig in die CMAS aufgenommen.Wissenschaftler der Humboldt-Universität und Sporttaucher der GST bergen für das Berliner Naturkundemuseum an Kubas Nordküste Teile eines Korallenriffs. 





1968 – Im Dezember testen Sporttaucher die von ihnen gebaute erste Kaltwasser- UW-Station der DDR „Malter I“ in der Maltertalsperre. Dabei bleiben zwei Taucher zwei Tage in acht Meter Tiefe. Der VEB Medizintechnik Leipzig beginnt mit der Produktion des Hydromat 66, einer getrenntstufigen Version des Zweischlauchreglers Hydromat G 6200.

1969 – Die Glashütter Uhrenbetriebe bringt die erste Taucheruhr der DDR auf den Markt. Eingebaut (in ein Edelstahl-Gehäuse aus Westdeutschland) wurde das bewährte Spezimatic Werk Kaliber 75, eine Automatik mit Datumsanzeige. Das Geraer Kompressorenwerk  stellt einen tragbaren Kompressor für die Druckluftversorgung der Sport- und Berufstaucher her, wahlweise mit Benzin- oder Elektroantrieb.






1978 – Die beliebte Tauchsportzeitschrift Poseidon erscheint in einem neuen Gewand, vereinigt mit dem Seesport. Das Format ist größer, der Preis höher, die Druckqualität kaum besser und das Erscheinen von monatlich auf alle zwei Monate reduziert. Fortan prägen maßgeblich Seesport, Schifffahrt und Kriegsmarine-Beiträge den Inhalt der Zeitschrift. Die DDR-Taucherwelt ist enttäuscht.

1985 – In Neuglobsow am Stechlinsee finden die 2. Welt­meisterschaften im Orientierungstauchen statt.

1987 – In Berlin wird der Tauchsportverband der DDR (TSV) gegründet. Präsident: Generalmajor Rolf Pitschel. Ein letzter misslungener Spagat zwischen den paramilitärischen Aufgaben der GST und den privaten Interessen der Sporttaucher. 

1990 – Am 7. April wird auf einem außerordentlichen Verbandstag des TSV ein neues   Präsidium frei gewählt. Am 23. August beschließt die DDR-Volkskammer den Beitritt zur BRD. Ab 3. Oktober ist für alle ehemaligen DDR-Bürger die weite Taucherwelt erreichbar. Am 20. Oktober stimmt (bis auf eine Enthaltung) die letzte Versammlung des Tauchsportverbands der DDR für seine Auflösung und Fortführung der Vereins-Mitgliedschaften im VDST. Der VDST-sporttaucher wird das Verbandsorgan aller deutschen Sporttaucher.

1991 – Die Tauchsportzeitschrift der ehemaligen DDR „Poseidon“ stellt mit der Nr. 273 ihr Erscheinen ein.





Unser Autor:
Norbert Gierschner
Herausgeber & Verleger 
Tauchgeschichte spezial


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