INVASION

Die Ochsenfrosch Invasion ist kaum zu stoppen. Experten arbeiten an einer Lösung.  


Der Kiesgewinnung in unseren Flusstälern verdanken wir unsere Baggerseen, Kleinode und beliebte Tauchziele. Wir Taucher beobachten die Entwicklung des Unterwasser-Lebens und sind die ersten, die Veränderungen feststellen. Ein Projekt hält die Taucher im Südwesten in Atem: Die Invasion der Ochsenfrösche. Unsere erste Entdeckung in den 90er Jahren: Es sah aus wie eine Kaulquappe, hatte aber die Größe einer Hand. Zunächst nur in einem unserer Baggerseen am Oberrhein, nach und nach fanden wir sie aber auch in den Seen der Nachbarorte. Schnell wurde klar: Unbedachtes Freilassen einiger Exemplare, vermutlich durch Aquarianer, hatte inzwischen zu einer Invasion des nordamerikanischen Ochsenfrosches geführt. Bejagung durch zuständige Umweltschutz-Behörden schien zunächst erfolgreich gewesen zu sein, aber 2010 sahen wir erneutes, diesmal wesentlich massiveres Vorkommen. Das hält bis heute an. Inzwischen sind die Ochsenfrösche in fünf Baggerseen festzustellen, dazu noch in den Altrheinarmen, Kanälen und Gräben, über die sie miteinander verbunden sind. Wir hören nachts die lauten Lockrufe der Männchen, ähnlich dem Brüllen von Ochsen, was den Weibchen gute Balz- und Laichplätze anzeigt. Jedes Gelege hat etwa 12.000 Eier. Natürliche Feinde gibt es nicht. Raubfische meiden die Kaulquappen, warum diese sich ungestört entwickeln, im Spätsommer wandern sie in großer Zahl als Jungfrösche in die angrenzenden Wälder und Feuchtgebiete. Heimische Amphibien sind an ihren eigentlich angestammten Laichgewässern kaum noch zu sehen.  Also muss etwas geschehen. Gemeinsam mit den Fachleuten von Landkreis und Umweltschutzbehörde werden Maßnahmen überdacht. Erneut werden die erwachsenen Tiere vom Boot aus gejagt, parallel gehen mit der Sondergenehmigung der Behörden jetzt aber auch die Taucher auf Fangaktion, unter fachlicher Betreuung zweier Biologen wird eine Verwechslung mit anderen Amphibien vermieden. Mit zunehmender Routine erfolgreicher, können wir jährlich mehrere Tausend Kaulquappen den Gewässern entnehmen. Das mindert auf jeden Fall den Populationsdruck und verhindert weiteres Ausbreiten. Hand in Hand mit den Umweltschutz-Behörden bekämpfen die Taucher der beiden VDST-Landesverbände Baden und Württemberg diese Eindringlinge. Ein gutes Beispiel dafür, dass Fachleute und Laien sinnvoll und erfolgreich zusammenarbeiten können. Die Hoffnung ist noch immer, dass alle Maßnahmen – der Jäger, der Taucher und der Wissenschaftler – gemeinsam zum Erfolg führen. Aber eines ist schon klar: Dazu braucht es einen langen Atem und immer wieder die Bereitschaft engagierter Taucher. 
Weitere Informationen unter Praesident@btsv.de Umwelt@btsv.de 

Neobiota
Der Name sagt es schon. Neobiota bedeutet „neues Leben“. Gemeint sind damit alle Neuankömmlinge in unseren Regionen. Ob zufällig mit Schiffen, Autos oder Flugzeugen mitgebracht, ob eingewandert, ausgesetzt oder sogar bewusst angesiedelt. Die Biologen rechnen alle Lebewesen, die nach 1492 bei uns auftauchten, zu den Neuansiedlungen. Denn mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus begann der „transatlantische Warenverkehr“. Nicht alle Tiere und Pflanzen, die bei uns auftauchen, setzen sich durch. Manche gehen ein oder pflanzen sich nicht fort. Andere dagegen sind Problemfälle – siedeln sich langfristig an, haben oft keine Fressfeinde und können das Ökosystem durcheinanderbringen. Sie verdrängen und gefährden sehr häufig einheimische Arten. 


Invasive Arten
Bei massenhaftem Auftreten unter Verdrängung der einheimischen Tiere oder Pflanzen sprechen wir von einer invasiven Art. Wenn es dann problematisch für schutzbedürftige einheimische Arten wird, sind eventuell Gegenmaßnahmen notwendig Auf der Grundlage von EU-Richtlinien werden unterschiedliche Programme entwickelt, von der reinen Beobachtung oder Reduzierung, bis hin zum Versuch, die Art aus dem Ökosystem wieder zu entfernen. Neobiota gibt es nicht nur bei uns in Europa. Wir kennen die Rotmeerfische, die durch den Suezkanal in das Mittelmeer gelangt sind oder das Problem, das Rotfeuerfische durch massenhaftes Auftreten im Pazifik bereiten.  Weitere Informationen zu Neobiota unter Wasser: www.neobiota.info


Unsere Autorin:
Hannelore Brandt
BTSV Präsidentin Baden








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