TIEFGANG

Rebreather-Safari zur S.S. Maidan in einer Tiefe von 90 bis100 Metern gibt es viel zu entdecken


Wo: Südwesten von Rocky Island, Ägypten
Wann: Ganzjährig
Warum:  Riesiges Wrack mit zahllosen Möglichkeiten der Erkundung
myclimat: Frankfurt (DE), FRA nach Hurghada, Hin- und Rückflug, Economy Class, ca. 6.700 km, 1 Reisender kompensiert mit 31 Euro


In der Nacht des 10. Juni 1923, die SS Maidan ist auf dem Weg von Port Sudan nach Suez, bat der zweite Offizier nach Sichtung von Zabargad Island Kapitän Breen um einen neuen Kurs. Dieser nahm jedoch keine Kurskorrektur vor, obwohl klar war, dass sich das Schiff nicht mehr auf dem berechneten Kurs befand. Als gegen 01:30 Uhr ein Maat die Konturen des Riffes von Rocky Island entdeckte, war es leider schon zu spät. Trotz „volle Kraft achteraus“ rammte sich die SS Maidan in den Korallensaum Mannschaft und Passagiere wurden von der SS Warwickshire abgeborgen, nur der Kapitän versuchte mit einem Rest der Mannschaft die Maidan vom Riff herunterzuziehen. Um 19:10 Uhr war allerdings der Kampf endgültig verloren und die Maidan ging auf Tiefe.
Die Expedition zur SS Maidan
Geplant war eine Rebreather Safari zu den südlich von Port Ghalib gelegenen Riffen. Unsere gesamte Ausrüstung inklusive Trimix, Sauerstoff, Atemkalk und dem ganzen Füllequipment wurde per LKW zum Schiff transportiert und auf dem Tauchdeck verstaut. Den ersten Tauchgang absolvierten wir dann am Daedalus Reef. In ca. 70 Meter Tiefe entdecken wir einen Fuchshai im Freiwasser. Diese recht scheuen Haie kann man meist nur aus der Ferne beobachten. Nicht dieses Exemplar. Er kam mehrmals zu uns zurück, wobei er bei jeder Runde seine Distanz verringerte, um dann mitten durch unsere Gruppe zu schwimmen.Unser Hauptziel, das Wrack der SS Maidan, liegt heute auf einem schmalen Absatz in einer Tiefe von 90 – 100 Metern. Seeseitig fällt direkt hinter dem Wrack eine Steilwand auf mehrere Hundert Meter ab. Beim Untergang ist sie scheinbar an der senkrechten Wand abgesunken und hat sich dann auf dem darunterliegenden Schräghang einmal überschlagen. Ihre Aufbauten, Anker, Ladegeschirr und der Kamin liegen heute auf dem Hang verteilt. Das Wrack selbst ist in mehrere Teile zerbrochen und vor dem senkrechten Abgrund liegengeblieben. Hätte sie etwas mehr Schwung gehabt, wäre sie vermutlich auf Nimmerwiedersehen in der Tiefe verschwunden.  Beim ersten Tauchgang sollte es vom hinteren Laderaum zum Maschinenraum, an der Kombüse vorbei zum Heck mit seinem mächtigen Ruder und der riesigen Schraube gehen. Doch der Tauchgang begann anders als geplant. Beim Abstieg am Ankerseil kam in 50 Meter Tiefe ein riesiger Schatten auf uns zu. Wir hatten scheinbar das Interesse eines circa sechs Meter langen Walhais geweckt. Er inspizierte jeden Taucher unserer Gruppe und kam dabei teilweise bis auf 50 Zentimeter auf jeden einzelnen zu und verschwand dann wieder so wie er gekommen war. Nach einer Grundzeit von 27 Minuten ging es am Riff entlang langsam nach oben und nach etwa 170 Minuten war der Tauchgang mit einem weiteren Highlight zu Ende. Eine Gruppe von ungefähr 30 Spinnerdelphine mit Jungtieren schwammen nur wenige Meter an uns vorbei. Leider konnten wir nur zwei Tauchgänge an der SS Maidan durchführen. Fazit: Nur mit CCR-Rebreathern sind solche Tauchgänge mit vertretbarem Aufwand möglich und es hat sich wieder gezeigt, dass ohne Blasen die Tierwelt neugierig auf uns zugeht.

Die komplette Reise wurde selbst  finanziert

Unser Autor:
Lothar Becker
Fachbereichsleiter Rebreather








2 Gedanken zu „TIEFGANG

  • 24. März 2020 um 10:00
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    Wow, das klingt nach einem sehr aufregenden Tauchgang, der eine beeindruckende Unterwasserwelt mit einer spannenden Reise in die Vergangenheit verbindet.

    Mich würde interessieren, wie lange ihr mit den Vorbereitungen für diesen Tauchgang beschäftigt wart und mit welchen Kosten man für einen solchen Tauchtripp rechnen muss. Würdet ihr sagen, dass ein solcher Tauchgang nur für Profis geeignet ist oder auch für bessere Anfänger und Fortgeschrittene?

    Ich freue mich schon auf den nächten Bericht über eine spannende Tauch-Expedition!

    Antwort
    • 24. März 2020 um 10:53
      Permalink

      Hallo Mathilda,

      Gern schicke ich Dir eine kurze Antwort auf deine Frage: „Natürlich bedürfen Tauchgänge in diesem Tiefenbereich immer einer guten Planung und Vorbereitung. Die notwendigen Gase müssen gemischt, die Ausrüstung konfiguriert und zum Kreuzfahrtschiff transportiert werden. Wir haben für sieben Taucher einen Kleinlaster gefüllt. Wenn man allerdings eine Tauchbasis wie zum Beispiel die ORCA Basis in Safaga im Hintergrund hat die über das notwendige Equipment und Know How verfügt, ist das dann nicht mehr so tragisch.
      Positiv hat sich natürlich ausgewirkt, dass alle mit Kreislaufgeräten getaucht sind. Wir konnten ein über 100 Meter langes Wrack in zwei langen Tauchgängen komplett betauchen. Offen hätte man mindestens zehn Tauchgänge benötigt, da die Grundzeiten auf dieser Tiefe dann extrem kurz werden. Auch die Kosten haben sich in Grenzen gehalten. Ein Tauchgang hat etwa 30 Euro für Gase und Atemkalk gekostet. Offen wäre jeder Tauchgang mit etwa 170 Euro zu Buche geschlagen.
      Natürlich sind solche Tauchgänge nur für erfahrene Trimix Rebreathertaucher möglich.

      Gruß Lothar

      Antwort

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