TAUCHTAUGLICH?

LESERBRIEFE ZUM THEMA TAUCHTAUGLICH TROTZ ÜBERGEWICHT?

In Ausgabe 4/18 berichtet Dr. Konrad Meine über die Probleme mit Adiposas zu Tauchen. In Ausgabe 6/18 kritisieren die Tauchlehrer Thorsten Milinski und Kai Schröder diesbezüglich die Tauchtauglichkeit-Untersuchung und machen einen Vorschlag, der es in den Reihen des VDST diskutiert wird. Das ist gut und wird helfen, eine sinnvolle TTU zu manifestieren.

 

 

 

Alles falsch oder?

Haben sich die beiden Herren Milinski und Schröder schon einmal darüber Gedanken gemacht was aus dem Allgemeinsport „Tauchen“ wird, wenn sich ihr Vorschlag „Tauchtauchlichkeitstest“ durchsetzen würde? 

Wir hier könnten unseren Verein wahrscheinlich mangels Masse zusperren!

Der Vorschlag ist so falsch wie die Schreibweise ihres Tests. Da hätten doch über 60% der Herren und über 80% der Damen keine Tauchtauglichkeit mehr. Von einem Dr. sollte man annehmen, dass er nicht so weltfremd durch die Gegend marschiert.

Ein Tauglichkeitstest sollte meiner Meinung nach nur die gesundheitlichen Voraussetzungen für das Tauchen prüfen und auch das wird immer nur eine Momentaufnahme bleiben.

Fazit: Der Leserbrief ist Quatsch! Sicherheit bringt hier nur, wenn man sich seine Tauchpartner kennt und weiß was man ihnen zutrauen kann.

Hermann Pleiner

 

 

 


Alles richtig, aber?

als aktiver TL2 kann ich nur das geschriebene unterstützen. Allein mit dem Stempel ist man nicht gleichzeitig auch für das Freigewässer fit  genug, bzw. bleibt es während der Gültigkeit der ärztlichen Bescheinigung. Eine gute/gleichbleibende Fitness ist nicht nur allgemein, sondern besonders beim Tauchen zwingend erforderlich. Der Verlass auf den Tauchpartner ist im Notfall die Lebensversicherung. So lange wie ein normaler Tauchgang durchgeführt wird ist in der Regel 

alles in Ordnung. Sobald aber Strömung/Wellen dazu kommen, muss in den Beinen die nötige Kraft vorhanden sein, um mit seinem Tauchpartner wieder sicher ans Ufer oder aufs Boot zu kommen.

Wir dürfen aber nicht nur die Fitness einfordern, sondern dürfen auch die Psyche nicht vergessen. Der neue Taucher, ob jung oder alt, muss an die Anforderungen, die das Tauchen mit sich bringt, langsam herangeführt werden. Die besondere Umgebung (Wasser, Wellen, Strömung, schlechte Sichtverhältnisse unter Wasser etc.) erfordert ein besonderes Augenmerk 

bei der Planung von Tauchgängen. Um sicher zu Tauchen ist aber die Fitness Grundvoraussetzung.

Hans Wilhelm Pfeil / TL**

 

 

 

Tauchtauglich?

Die fünf Vorschläge für den Tauglichkeitstest wären zweifellos sinnvoll und in vielen Fällen angebracht.

Wären!  Sollte z.B. der VDST die verbindlich machen, aber die anderen Verbände nicht, dann würden aktive Mitglieder wohl reihenweise abwandern (müssen) und sich die Zahlen der Beginner/Tauchschüler in unseren Vereinen ziemlich reduzieren.

Erhard Schulz

Stellv. Ausb.-Leiter Schleswig Holstein

 

 

 

 

Das meint der Verbandsarzt:

Danke für den längeren Leserbrief zum Thema Tauglich?, der eine wichtige Diskussion sicher befeuert, aber auch vielschichtiger ist, als es mit eurem Fazit auf den ersten Blick scheint.

Deshalb melde ich mich natürlich gerne zu Wort, als übergewichtiger Goldtaucher, Funktionsträger, Tauchmediziner und Internist/Kardiologe

fühle ich mich geradezu aufgefordert.

1.      Ich spreche eigentlich nur noch von einer tauchsportärztlichen Untersuchung, Tauglichkeit finde ich veraltert und erinnert an anonyme militärische Massenuntersuchung zu meiner Musterungszeit, wir brauchen eine individualisierte Beurteilung des Tauchers mit Besprechung von Risiken,Tipps, Tests, die dabei helfen, …sprich gute Beratung aus erfahrener Hand. Die muss dann natürlich auch bezahlt werden, aber viele gesetzliche Krankenkassen fördern Sport für die Gesundheit, aber nicht sportartspezifische Tauglichkeit satzungsgemäß. Es lohnt sich also, vorher beim Versicherer bzgl. einer finanziellen Unterstützung nachzufragen. Grade läuft noch einen Anfrage meinerseits bei allen Partnerkrankenkassen der Landessportbünde, es gibt positive Voten dabei. Auf der TSV Homepage weisen wir die Leser darauf hin!

2.      Natürlich hat der VDST wie die Gesellschaft allgemein  mit zunehmendem Alter und damit chron. Krankheiten  der Taucher zu kämpfen. Die Überalterung mit Krankheiten ist hinlänglich im organisierten Sport bekannt, DAN hat dies in einer gross angelegten Telefonbefragung aktuell für Amerika gezeigt, ein Wandel der auch hier grassiert. Dem stellt man sich zunehmend, hat aber sicher auch Zeit verspielt bereits bei Alter, Rauchen, Übergewicht, Hochdruck, Diabetes…Unsere Vizepräsidentin Eva hat zumindest ein besonderes Herz und auch Landesfördermittel für frühes Projekt Tauchen66 wie ich für die Gesundheit.

3.      Wie soll selbst eine gut beschriebene GTUEM-Untersuchung an Land mit Fahrradergometer den Tauchsport gut repräsentieren, mit Reflexen, Kreislauf-Volumenverschiebungen, Atemverhalten, Kälte, Stress, Dunkelheit usw.? Also müssen wir uns dem nähern. Da reicht auch euer schöner, kleiner Outdoortest nicht aus alleine, zumal Tauchen gering Ausdauermomente zeigt (Funktion von Herz-Kreislauf-Lunge), mäßig Kraftinhalte (bestimmt durch Muskelhaltekraft). Aber man muss natürlich ins Wasser und wieder irgendwie heraus.

4.      Die Medizin ist nicht alles, soll eigentlich Probleme aufdecken, die zusehenst zu erwarten sind im alternden und kränkelnden VDST, aber es eigentlich oft auch nicht so sicher kann, wie aktuelle Daten von Risikoabwägung junger, englischer Profifussballer zeigen. Dennoch und Gott sei Dank sterben nur wenige in ihrer Karriere unerwartet und plötzlich .Auch unser Präsident nimmt sich im aktuellen Ausgabenausblick dem Thema Gesundheit  mit Zitaten an, für mich ist Sport die beste Medizin. Das Thema ist sicher irgendwie erstmalig, E-Sports ist da der falsche Schritt gewesen.

5.      Was nützt es alles, es gibt Lösungsmöglichkeiten, ihr beschreibt bereits einige, das gilt es weiterzuentwickeln. Neben der Medizin, es gibt auch das Paradoxon des fetten Sportlers, der durch seine Fitness eigentlich keine so starke Einschränkung seiner Lebensqualität und -prognose hat. Dazu gehört vereint einen gute Ausbildung mit den im VDST bekannten und auch bzgl. Sicherheit erprobten Inhalten. FB Medizin und FB Ausbildung können vielen Tauchern so sicher zu ihrem Sport verhelfen, individuelle Lösungen, vielleicht mit Einschränkungen, aber gut aufgeklärt auch mit der nötigen Verantwortung für sich und Buddy.

6.      Viele Trainieren weit mehr, als sie Tauchen, auch das gehört mehr ans Tageslicht. Übungen im Element Wasser fördern die Kondition, können spassig und abwechslungsreich sein, letztendlich zu mehr Sicherheit führen. Im TSV NRW arbeiten wir auch ständig und gut durch unseren LSB gefördert hier an niedrigschwelligen Angeboten fürs Schwimmbad, grade haben wir einen Beauftragte für Prävention, Gesundheits- und Generationensport ins Leben gerufen, der Titel ist so taufrisch wie noch nicht sicher abgestimmt. Moderne Konzepte wie Tabata werden wir auch den Vereinen beibringen wollen, bisher haben dies aber nur wenige verstanden. Diese aber umso besser und erfolgreicher mit Förderung finanziell und Schwimmbadzeit!

7.      Das Flossenschwimmabzeichen ist Bestandteil des Dt. Sportabzeichens, jeder TL kann dies wohl anbieten und abnehmen, aber dieses wertvolle Angebot scheint zu wenig bekannt und wird kaum genutzt, Steckenpferd von Uwe Hoffmann, der das immer wieder protegiert. Starten wir es doch, machen einen Wettbewerb, wird die meisten Abzeichen macht?

8.      So wie ihr aus dem Wasser gegangen seid mit dem Vorschlag im Brief können das auch unsere ÜL B „Sport in der Prävention“, die sich ums Herz-Kreislaufsystem“, ferner den „Halte- und Bewegungsapparat“ kümmern, nicht nur im Wasser, in der Turnhalle, auf der Wiese, im Park, Wald usw.,warum eigentlich nicht!

9.      Wir müssen schon sauber auch zwischen Unfällen beim Tauchen, technisch oder durch Erkrankung bedingt, und dem sehr seltenen, klassischen Tauchunfall in der Dekompressionsphase unterscheiden, da spielen natürlich alle genannten Punkte der Fachbereiche mit .Der klassische Tauchunfall bleibt immer unberechenbar, auch durch Tabellen oder Computer.

Mein Fazit, nachdem ich mir jetzt die Finger leider doch wund geschrieben habe: Die bisherigen Lösungen sind unzureichend und wenig zeitgemäss, Medizin, Ausbildung und Trainer für Gesundheit/Fitness müssen Hand in Hand zusammenarbeiten, dann wird es gut, es muss schnell gehen, sicher sein, günstig natürlich auch, also eigentlich doch schwierig.Vielleicht ein neuer Kurs?Aber deshalb schreibe ich, grade letzte Woche war genau das unser Thema zwischen mir, Frank Ostheimer und Uwe Hoffmann, ihr habt den Nagel auf den Kopf getroffen, jetzt gilt es ihn nur noch vernünftig zu versenken gemeinsam für alle!Torsten, übrigens wäre das auch inhaltlich bei der letzten Vorstandssitzung genau mein Thema gewesen, wenn wir uns nicht anderswertig so verquatscht hätten, freu mich auf weiteren Dialog.

Kalli Schmitz, der euch hoffentlich jetzt nicht zu sehr gelangweilt hat, aber es musste einfach sein, weil es mir so,so einsam wichtig ist

Leiter FB Medizin des TSV NRW

Der innere Schweinhund des TSV NRW beim Tauchen

 

In NRW haben wir für diesen Fitnessbereich v.a im Wasser 2 ÜDIS = Überwinde den inneren Schweinehund mit allen Rechten entworfen, wir beraten unsere Vereine für das Siegel Sport pro Gesundheit, vom m.E. guten Konzept fit2dive will leider keiner etwas im VDST hören, es vereinigt Fitness, Physik/Physiologie und Medizin für den Taucher mit Anstrengung in seinem Element und Anzug

 

 

 

Antwort auf Antwort

herzlichen Dank Kalli für Deine wunderbare, ausführliche Rückmeldung zu unserem Leserbrief

im VDST-sporttaucher 6-2018, über die ich mich sehr freue ! 

Du verdeutlichst mir ausführlich, welche umfangreichen Angebote wir im TSV NRW und VDST haben, um dem Themenkomplex „Fitness und Gesundheit“ seine notwendige und prominente Wertigkeit zu geben. Doch gerade durch Deine Darstellung wird mir ebenso bewusst, was alles in Vergessenheit geraten ist oder geraten kann: Angebote, die viel bekannter gemacht werden müssen und viel wichtigere Merkmale des organisierten Sports im Verein und Verband sein können als lizensierte Abnahmekarten, die andere Verbände ebenso ausgeben.

Im FB Ausbildung wird viel über Tauchgangsplanung, Ausrüstungskonfiguration und über Spezialkurse

gesprochen – wieviele benötigen wir eigentlich, wenn wir uns auf die sinnvolle Entwicklung der DTSA konzentrieren? – doch die oben genannten Faktoren „Fitness und Gesundheit“ rücken dabei viel zu sehr aus dem Fokus. 

Oder: was nützt mir die ganze Ausrüstung, wenn ich sie aus konditionellen und Gründen der mangelnden

Beweglichkeit / Kraft gar nicht adäquat nutzen kann? Gequälte Gesichter von Taucher*innen am Möhnesee mit

Doppelpack auf dem Rücken kenne ich zuhauf… Frank Ostheimer fordert uns ja auch im aktuellen VDST-sporttaucher auf, dazu Stellung zu beziehen.

Zu unserer 60-Jahr-Feier sollten wir diese von Dir geschilderten Aspekte im TSV NRW besonders würdigen, nur so ein Gedanke. Und ebenso darüber hinaus unsere Angebote und deren Vielfalt viel mehr darstellen!

Torsten Milinski

 

 

 

 

Tauchen ohne Liegestütz?

Es werden in diesem Bericht Minimalvoraussetzungen für eine Tauchtauglichkeit beschrieben, die nicht von jedem durchgeführt werden können. Grund hierfür sind die unterschiedlichen Körperbauten der Probanden. Es gibt gerade viele Frauen, die keine Liegestütze oder gar Klimmzüge können, da die Hebelwirkung hier nicht gegeben ist.

Ich persönlich kenne einige Leistung Sportlerinnen, die keine Liegestütz oder Klimmzüge können, aber in der Lage sind, 10.000 m in unter 50 Min zu laufen.

Diese tauchen auch weit über 100 m. in Apnoe und haben Tauchzeiten mehr als 5 Min. in Apnoe. Auch tauchen Sie im Atlantik bei Strömung und haben damit keine Probleme.

Aufgrund dessen, sollte hier die Forderung doch anders Formuliert werden, denn es gibt, wie alle Taucher wissen sollten,  gravierende Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

Eine Forderung mit der Einstellung alle über einen Kamm zu scheren, ist aus meiner Sicht nicht korrekt und darf so nicht stehen bleiben.

„Diese alternative Tauchtauglichkeit sollte unabhängig von Alter und Geschlecht jedes Jahr durchgeführt werden“ . Diese Aussage ist grundsätzlich falsch.

Wenn kann dies höchstens als Anhalt gelten, jedoch nicht als MINDESTVORAUSSETZUNG!!!!

Horst Säger

Tl2/505, ApTl 066, CMAS Judge National, AIDA Judge International

 

 

 

  

Adipös oder Schnupfen?

Die Hürden der Tauchtauglichkeit sind aus meiner Sicht bereits ziemlich hoch. Eine regelmäßige, ab 40 sogar jährliche Untersuchung wird bei kaum einem anderen Sport gefordert. Die Aussagekraft des Belastungs-EKGs halte ich für gut, wobei es nicht die Fitness-Prüfung als Ziel hat. Es geht dabei um die Erkennung von Risiken im Sinne von Krankheiten, v.a. natürlich um die Herzkranzgefässe.

Die vorgeschlagenen Fitness-Tests (Klimmzüge, Liegestütze, Treppensteigen) sind schön, aber nicht als ärztliche Tauchtauglichkeitsuntersuchung. Wie will man es denn beurteilen? Und ich selbst halte mich durchaus für fit im Schwimmen, Apnoetauchen oder Treppensteigen, aber Klimmzüge sind nicht meine Stärke…

Wenn wir beleibte oder sogar dicke Menschen für Sport begeistern wollen, dürfen wir sie nicht von vornherein als „eingeschränkt tauglich“ stigmatisieren. Wenn wir einen Sport nur für schlanke, junge, gesunde und vollständig fitte Menschen haben wollten, wäre der Schritt zu „blond und blauäugig“ nicht mehr weit. 

Richtigerweise wird in dem Leserbrief festgestellt, dass die TTU nicht die Kraft und Kondition bescheinigt. Das kann sie nicht. Wenn wir das nicht in die Verantwortung des Einzelnen geben, dann brauchen wir an jedem See-Einstieg oder auf jedem Boot einen Fitness-Kontrolleur, der für jeden Taucher pro Tauchgang die Freigabe in dieser Hinsicht erteilt. Der müsste aber dann auch Ohren, Hals, Herz, Knie und Hüfte usw. kontrollieren.

Die Autoren des Leserbriefes schreiben, dass „ausreichend trainierte Taucher…diese Anforderungen …selbstverständlich…schaffen..“ Eben das ist aus meiner Sicht der Knackpunkt. Wenn ich eine (wie auch immer geartete) Fitness-TTU bestehe und dann nichts mehr mache, nützt es nichts. 

Ein adipöser Mensch, der möglicherweise nicht alle diese Tests bestehen würde, aber einigermaßen regelmäßig in der Schwimmhalle trainiert und sich selbst kritisch einschätzt, wäre mir ein angenehmerer Tauchpartner als ein Super-Fitness-Held, der mit Nachweis aller Zertifikate am betreffenden Tag mit Schnupfen tauchen geht.

Dr. med. Uli Döhner

CMAS **, GTÜM I, SportTaucher Andernach e.V.

 

 

 

 

 

Doing it right oder VDST?

Die Vorschläge im Leserbrief von Torsten Milinski und Kai Schröder finde ich Klasse. Noch besser gefällt mir der Anspruch von Jerrod Jablonski (GUE), publiziert in „Doing it right, The Fundamentals of Better Diving“. Er erwartet von jedem Taucher, dass er ohne weitere Vorbereitung in der Lage ist, einen Halbmarathon zu laufen (und einiges mehr).

Da das Tauchen auch viel mit Verstandesleistung und Persönlichkeit zu tun hat, schlage ich vor, zusätzlich vor Aufnahme einer Tauchausbildung einen Intelligenztest vorzuschalten und in regelmäßigen Abständen die Persönlichkeit zu überprüfen, um sicher zu stellen, dass eine stabile Persönlichkeit vorliegt, die verantwortungsvoll handeln kann.

Das Ergebnis wird in einem Tauchtauglichkeitsprofil zusammengefasst. Über einer vom VDST zur Verfügung zu stellenden App können dann die Profile eingegeben werden. Die App sagt dann für eine vorhandene Tauchgruppe, wer mit wem, wie tief, wie lange und in welche Himmelsrichtung tauchen darf.

Spaß beiseite!

Der Vorschlag beantwortet meiner Meinung nach kaum das im Originalartikel aufgeführte Problem. Der verunfallte Taucher hätte offensichtlich auf Basis eines Belastungs-EKGs keine uneingeschränkte Tauchtauglichkeit erhalten dürfen. Wie ein neuer, willkürlich definierter Test das verhindert hätte, bleibt mir verborgen. Insbesondere fehlt mir komplett der Aspekt der Eigenverantwortung.

Und ja: Das Klettern in ein Boot stellt eine physische Beanspruchung dar, mit ganz eigenen Auswirkungen auf die Blasendynamik im Lungenkreislauf. Ich glaube kaum, dass das als Scherz gemeint war.

Und überhaupt: Wie soll das in der Praxis aussehen, wenn die Teilnehmer einer Tauchveranstaltung unterschiedliche Level von Tauchtauglichkeit haben? Das gibt es zwar heute auch, aber mit den vorgeschlagenen Tests dürfte wohl mehr als jeder zweite Taucher in die Kategorie „eingeschränkt“ fallen (60s Atem anhalten nach 4 Etagen Treppen steigen).

Keine Frage, eine gute Fitness ist sinnvoll, gesund und erhöht die Sicherheit beim Tauchen. Aber auf welcher Grundlage beruhen die Vorschläge? Gibt es irgendwelche statistischen Untersuchungen dazu? Warum 4 Etagen und nicht 6? Der heutige Standard beruht immerhin auf jahrzehntelanger Arbeit der GTÜM und andere Institutionen.

Der VDST ist kein Verband professioneller Tauchlehrer, aber deswegen müssen wir nicht gleich unprofessionell werden.  Der Vorschlag ist meiner Meinung nach symptomatisch für unseren Verband. Der VDST wird getragen von engagierten und erfahrenen Tauchern, die sich mit ihren eigenen Ideen und Erfahrungen herumtragen und diese einbringen. Da bleibt leider die Kundenorientierung zu oft auf der Strecke. In VDST-Ausbilderkreisen wird gern über PADI gelästert. Aber in Sachen Praxis- und Kundenorientierung können wir uns dort noch einiges abschauen, nur einige Beispiele: 

  1. Es gibt zwar inzwischen gute Lehr-Literatur, aber noch immer nur einen gesamten Foliensatz für alle Ausbildungsstufen. Wünschenswert wäre, ein Foliensatz speziell für VDST * und einen weiteren, tiefergehenden für ** und *** zu haben.  
  2. Das Manual für Nitrox * ist zwar inzwischen sinnvoll eingekürzt und praxisrelevant aufgebaut, der Foliensatz aber noch immer weitgehend auf dem Stand von vor fast 20 Jahren, als Nitrox erstmalig und in reichlich überladener Weise beim VDST eingeführt wurde. 
  3. Statt der 50bar Reserve-Regel wird nun das Konzept des Umkehrdrucks gelehrt. Das ist grundsätzlich sinnvoll und richtig – als Ergänzung. Allerdings sehe ich im Sporttauchbereich nahezu keine Praxis-Relevanz. Die allerwenigsten Tauchgänge weisen ein echtes Rechteck-Profil auf, so dass der Beginn des Auftauchens klar definiert ist. Die Berechnung dazu ist viel zu kompliziert, als dass sie ernsthaft vor jedem Tauchgang durchgeführt werden würde.  
    Und: Sollen wir im nächsten Tauchurlaub tatsächlich mit dem Guide darüber diskutieren, dass die Standard-Regel „Mit 50bar zurück am Boot“ für uns nicht gilt? Denn z.B. mit 15l und einer Tauchtiefe von 27m hätten wir erst mit 51bar den Aufstieg anzutreten (Nullzeit). Da werden wir kaum mit 50bar an Bord sein. Mich würde das nervös machen. 
  4. Auch bei der Übernahme der Einhandzeichen für Zahlen aus dem technischen Tauchen kann man geteilter Meinung sein, ob das für Sporttaucher die geeignete Methode ist, wenn die Zeichen weltweit kaum jemand versteht. 

Die aufgeführten Beispiele haben vordergründig nichts mit dem ursprünglichen Thema (Tauchen mit Adipositas) zu tun, durchaus aber mit dem Leserbrief.  

Ich befürchte, dass wir im VDST dazu neigen, an der Zielgruppe vorbei zu optimieren und den Kundenfokus (der „normale“ Sporttaucher) aus den Augen verlieren. Wer sich in der Tauchergemeinde umsieht wird feststellen, dass das Durchschnittsalter zunimmt. Da gibt es für engagierte Tauchausbilder reichlich Bedarf, den Verband zu unterstützen. Zusätzliche Regelungen, die im Einzelfall sogar zu Schikanen führen können und denen jedwede wissenschaftliche Basis fehlt, sollten da jedenfalls nicht im Vordergrund stehen. 

Dr. Ansgar Damm, TL2/1153

 

 

 

 

Wer ist tauchtauglich?

Ein großer Tauchverband sagt: wer sich gesund  und fähig zum Tauchen fühlt darf auch tauchen. So einfach kann man es sich machen.

Der VDST, viele Tauchbasen und andere Verbände verlangen eine Medizinische Vorsorgeuntersuchung nach GTÜM oder ÖGTH. In dieser wird unter „Sportliche Betätigung“ abgefragt, ob die Probantin/der Probant außer Tauchen andere Sportarten, welche und wie oft ausübt. Das ist schon eine versteckte Frage nach der Fitness.  Wenn die Frage mit wöchentlich zwei Sportstunden beantwortet wird, hätte ich auch bei einem Adipösen keine Bedenken. In diesem Fall wäre auch der vorgeschlagene Tauchtauglichkeitstest unnötig. 

Im Fall des von Dr. K. Meyne beschrieben Tauchers hätte vielleicht eine Spiroergometrische Untersuchung an einem Sportmedizinischen Institut einer Universitätsklinik  oder eines Olympiastützpunkts die verminderte Belastungsfähigkeit gezeigt. Erheblich billiger und ähnlich aussagekräftig  wäre die von T. Milinski und Dr. K. Schröder vorgeschlagene selbstkritische Beurteilung durch den Taucher und seine(n)  Buddy  gewesen.

Jetzt zum Begriff der eingeschränkten Tauchtauglichkeit mit dem ich große Schwierigkeiten habe. Im Allgemeinen erwartet man bei  einer Tauglichkeit ein klares Ja oder klares Nein. Bei der Tauchtauglichkeit gibt es noch das Schlupfloch des Behinderten-Tauchens. Ob die Untrainierten damit glücklich wären bezweifle ich.

Die tauchsportärztliche Untersuchung ist eine Momentaufnahme, die dem Taucher und seinen Partnern eine Sicherheit vor unangenehmen und (lebens)gefährlichen Ereignissen geben soll. Sie ist keine Prognose über die nächsten 3-6-oder 12 Monate hinaus. Sie entlässt den Taucher auch nicht aus der Verantwortung für seine Gesundheit und Kondition! 

Für die Prognose über längere Zeiträume empfehle ich eine Wahrsagerin oder einen Hellseher zu beauftragen, die mit den entsprechenden Daten und etwas Geld gefüttert im Einzelfall eine (un)verlässliche Prognose über einen Tod im Wasser, auf einem Boot oder am Strand geben können.

Fazit: wer taucht sollte vor allem, sein Gehirn mitnehmen, alles andere ergibt sich von selbst.

Dr. med. Wolfram Schwenk

Sportmedizin, Tauchmedizin(GTÜM e.V.), Mitglied im TCR Reutlingen

 

 

 

Alter schützt vor Tauchsport nicht

Nach der Lektüre obiger Artikel im „sporttaucher“ kam mir der „alte Ehm“ 

in den Sinn. Darin schreibt Ehm vor 45 Jahren  schon im ersten Kapitel unter der 

Überschrift „Körperliches Training und Alter“…..der menschliche Körper ist für die Aktivität konstruiert. Die Bewegungsarmut ist eine der Haupttodesursachen in den Industrieländern. Sie führt (…) haupsächlich zu Herz und Kreislauferkrankungen…! Etwas weiter schreibt Ehm:… das gesunde Herz ist bis zum 80. Lebensjahr trainierbar..!

Da kann ich Prof. Dr. Franz Brümmer zu seinem Artikel nur zustimmen…alte Wahrheiten gelten immer noch! Ich teste meine Kondition nach „Ruffier“ (siehe Ehm S. 335). Diesen Test halte ich für einfacher durchführbar als den von “ Nautilus Wattenscheid e.V.“ vorgeschlagenen Test, (Klimmzüge, Armstützen) den Frauen oder etwas ältere Männer (wie ich) wohl nicht ganz schaffen, dann wären sie(ich) nicht tauchtauglich!

Im Übrigen: mittlerweile bin ich 78 Jahre, bin noch tauchtauglich und fühle mich auch sonst noch fit, bewege mich aber zu wenig!

Siehe bei Interesse auch einen Artikel im Donaukurier:

Dietmar Hirschl

 

 

 

 

Tauchtauglich im „ jungen“ Alter

Nach meiner Reise ans Rote Meer bin ich mit viel Skepsis und mit „Merkwürdigkeiten“ zur Tauchtauglichkeit ins kalte Hamburg zurückgeflogen.

Die Idee fand ich sehr interessant zumal man sich als „junge Alte“ noch fit hält und vielleicht einen Wiedereinstieg ins Tauchen wagen kann.

Nach meinen Beobachtungen und eigenen Erfahrungen ist die Bescheinigung zur Tauchtauglichkeit von Seiten einiger Ärzte dem Taucher gegenüber fragwürdig. Trotz meiner vorher eingeholten Tauchtauglichkeitsbescheinigung von einem geprüften Tauchmediziner bestand die Untersuchung aus einem absoluten Minimum, die nichts über meinen Trainings-und Belastungszustand aussagte und nach den Bedingungen (lt. Internetrecherche) nur am Rande mit den Voraussetzungen übereinstimmte. Das ist hoffentlich nicht bei jeder T-Tauglichkeitsbescheinigung so. Mit der Bescheinigung wird dem Taucher und dem Tauchlehrer suggeriert: es ist alles in Ordnung. Das ist nicht nur unehrlich und unredlich, es ist gefährlich für mindestens 2 Personen.

Diese Ehrlichkeit vermisse ich manchmal auch bei einigen Tauchern und Tauchlehrern selbst.

Welcher Taucher und Tauchlehrer trainiert regelmäßig seine Fitness im Wasser mit Schwimmtraining oder Fitnessstationen wie im vorher erschienen Heft/ Artikel erwähnt? Mal ehrlich!

Ich bin immer erstaunt, wenn ich Tauchern, Tauchlehrern/Buddys mit erheblichem Bauchumfang begegne. Wie kann es sein, dass da Fitness vorgegaukelt wird? Wo soll da Vertrauen aufgebaut werden ob nun als Tauchanfänger, Tauchlehrer oder gleichwertig als Buddy? Im Ernstfall soll/ oder muss diese Person Leben retten.Ich will niemandem zu nahe treten: aber Ehrlichkeit zu sich selbst und anderen gegenüber muss bei einem Tauchgang vor allem mit unbekanntem Buddys an 1. Stelle stehen.

Wenn ich mich mit anderen Taucherinnen und Tauchern vergleiche, dann kommen mir große Zweifel am Fitnessstand der anderen mit differenziertem Leistungsstand oder mit immensen  Tauchgänge und Erfahrungen. Es ist nicht nur die allg. körperlichen Kraft- Ausdauer- und Reaktionsfähigkeit, es sind auch mentale und nervliche Befähigungen, die meines Erachtens oft nicht gesehen und eingeschätzt werden können. Ich möchte hier niemandem zu nahe treten, ich möchte aber eine Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen Mittauchern. 

Wenn Handicaps und andere körperliche Unzulänglichkeiten kompensiert werden sollen durch einen Trageservice oder „bequemen“ Leitern (es gibt keine bequeme Leiter) als Einstiegshilfen ins Boot, so ist es natürlich eine Möglichkeit. Treffen diese verschiedenen Einschränkungen aber auf fast alle Beteiligten des Tauchgangs zu und kommen weitere Faktoren dazu, die im Alter schleichend eintreten mit mangelnde Beweglichkeit, mit „Fitless“ , mit psychischer Belastung, wenig kommunikativ,  etc. so kann ein Tauchgang nicht mehr toll sein.

Wenn man mit 60+ Tauchern und Tauchlehrern in den Urlaub fährt, erwarte ich nicht unbedingt Taucher mit 70+. So viel zur Ehrlichkeit.

Vielleicht liegt es am mangelnden Austausch mit anderen, an Richtwerten, an Maßstäben, an Vergleichen, die verloren gegangen sind, an der Bereitschaft und Verpflichtung sich in diesem Element in allen Bereichen fit zu halten. Vielleicht sind Angebote zur Supervision angebracht, denn in diesem fantastischen Element kann ein Unfall schwerwiegende Folgen haben.

Ich wünsche allen erlebnisreiche und schöne Tauchgänge 

Martina Hartrampf

 

 

 

 

 

Anmerkung der Redaktion: Damit wir uns alle noch einmal erinnern, was passieren kann:

 

Ein aktueller Unfall, zugesandt vom stellvertretenden Fachbereichsleiter Ausbildung im VDST, Dipl. Ing. Frank Ostheimer

 

Taucher stirbt im Kreidesee – Blaulicht

HEMMOOR. In Hemmoor ist es am Sonnabend zu einem tödlichen Tauchunfall gekommen. Nach TAGEBLATT-Informationen handelte es sich bei dem Toten um einen 59-Jährigen aus dem Raum Heidelberg. Die Polizei schließt ein Fremdverschulden aus.

Das Unglück ereignete sich gegen 12 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Mann im nur wenige Grad kalten Wasser. Er hatte sich einer Gruppe angeschlossen, zu der ein Tauchlehrer und zwei Tauchschüler gehörten. Während des Tauchgangs sackte der Mann dann plötzlich auf den Grund des Sees ab.

Anschließend wurde die Alarmierungskette ausgelöst. So rückten neben dem Notarzt und Rettungsdienst sowie der Polizei auch die beiden Feuerwehren Althemmoor und Osten an. Die Ostener Wehr verfügt über ein Boot, mit dem einige Einsatzkräfte zur Unfallstelle fuhren. Dort gelang es zwei erfahrenen Tauchern, den 59-Jährigen vom Grund des Sees an die Wasseroberfläche zu holen. Für ihn kam jedoch jede Hilfe zu spät. Der Leichnam des Mannes wurde an Land gebracht und seine Tauchausrüstung sichergestellt.

Nach TAGEBLATT-Informationen sind zwei Ursachen für den Tod des Mannes am wahrscheinlichsten: Entweder gab es ein gesundheitliches Problem bei dem Tauchgang oder technische Schwierigkeiten. Ob die Leiche obduziert wird, entscheidet bei derartigen Unglücksfällen die Staatsanwaltschaft. Ein Fremdverschulden schließt die Polizei bislang aus.

Für den Kreidesee gelten besondere Sicherheitsvorschriften, die jeder Taucher bei seiner Anmeldung schriftlich bestätigen muss. So muss er unter anderem über ein gültiges tauchärztliches Attest sowie ein „kaltwassertaugliches und komplettes Equipment“ verfügen. Dazu gehören auch zwei getrennte Atemsysteme. Sollte einer der Atemregler angesichts der niedrigen Temperaturen in dem bis zu 60 Meter tiefen See einfrieren und nicht mehr funktionieren, kann der Taucher auf den anderen Lungenautomaten ausweichen. Zudem darf man nur mit einem Tauchpartner („Buddy“) in den Kreidesee und muss sich je nach Ausbildungsstand an vorgegebene maximale Tauchtiefen halten.

3 Gedanken zu „TAUCHTAUGLICH?

  • 8. Dezember 2018 um 10:24
    Permalink

    Vielleicht sollten wir unterscheiden zwischen einfachen Tauchgängen und komplexen Unterwasser-Expeditionen? Und vielleicht sollten Taucher mit Einschränkungen dann nicht mehr jeden Tauchgang mitmachen (freiwillig oder aufgrund ihres Brevets)?

    Antwort
  • 4. Januar 2019 um 18:35
    Permalink

    Hallo liebe Leute,

    ich wünsche euch allen ein gesundes, fröhliches und ereignisreiches neues Jahr!

    Es freut Torsten und mich, daß unser Leserbrief-Artikel einen so großen Anklang gefunden und weitere Reaktionen dazu hervorgerufen hat! 🙂 Einige Kommentatoren stimmen uns teilweise oder ganz zu, andere hingegen sehen gleich die Vereine – oder sogar den gesamten VDST durch Mitgliederabwanderung in Gefahr. 🙂

    Ich habe erst vor kurzem von diesem Forum erfahren und möchte deshalb nun an dieser Stelle noch einige ergänzende Bemerkungen machen, für die der Platz im Leserbrief im Sporttaucher 6/2018 nicht ausreichte bzw. weil neue Aspekte durch die Kommentare hier hinzugekommen sind.

    Vorab: Wofür steht das „S“ in „VDST“? „Pay and di(v)e immediately“ ist das eine, das „S“ ist das andere! Es schadet weder Körper noch Geist, in diesem Sinne unsere Sportart zu verstehen und auszuüben! Denn letztlich kommt dies nur der Sicherheit beim Tauchen zugute!

    Oft wird auch der Eindruck erweckt, jeder könnte tauchen. Dem ist nicht so! Der Mensch ist ein Landtier, und in dem Moment, in dem wir im Wasser keinen Grund mehr unter den Füßen haben, wird es potentiell lebensgefährlich. Als ich damals an der Uni den Tauchkurs gemacht
    habe, hat der ÜL in der ersten Stunde zunächst einmal aufgezählt, was alles schlimmes beim Tauchen passieren kann und auf wieviele Arten man dabei sterben kann. 🙂 Wer sich von solchen Ausführungen nicht abschrecken läßt, ist aus meiner Sicht ein Erfolg versprechender Kandidat für den Tauchsport. 🙂 Natürlich müssen weitere Eigenschaften hinkommen, z.B. realistische Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten u.a.

    Hand aufs Herz: Welcher TL geht heutzutage so vor, daß er zunächst einmal aufzählt, was alles schlimmes passieren kann und fragt dann die potentiellen neuen Taucher, ob sie tatsächlich immer noch tauchen lernen möchten? Ich kenne keinen.

    Sportliche Fitneß ist eine erste Voraussetzung zur sicheren Ausübung des Tauchsports – daran führt kein Weg vorbei! Zur Verdeutlichung möchte ich hier beispielhaft drei Situationen schildern, die ich über die Jahre hinweg bei verschiedenen Tauchurlauben selbst erlebt habe.

    * Bonaire 2005:
    Vom Tauchplatz „Bachelor’s Beach“ aus wollten wir zurück zu unserem Haus tauchen. Als
    ich den Einstieg in Augenschein nahm, kam gerade ein stark übergewichtiger Amerikaner
    aus dem Wasser – solotauchend, dafür aber mit schwerer Kameraausrüstung. Sich im Sand
    wälzend entledigte er sich seiner Flossen. Seine herbeigeeilte Frau hatte ihm bereits
    die Fotoausrüstung abgenommen, damit er „den Aufstieg“ die Treppe hinauf zur Straße
    leichter bewältigen konnte. Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte ihm, daß wir in
    östlicher Richtung zu unserem Haus tauchen wollten. Daraufhin warnte er mich vor der
    starken Strömung, die uns entgegenkommen sollte. Er bezweifelte, daß wir die ca. 300 m
    bis zu unserem Haus schaffen würden. Ich war etwas überrascht bzgl. seiner Aussagen zur
    Strömung – aber man weiß ja nie! Als wir dann im Wasser waren, merkten wir erst einmal
    überhaupt nichts von einer (starken?) Strömung. Wenn man sich im Wasser vollkommen passiv
    verhielt, wurde man allerdings – sehr! – langsam zurückgetrieben. Von einer Strömung
    im eigentlichen Sinne konnte aber wirklich keine Rede sein. Ich fragte mich, in welchem
    körperlichen Zustand der Amerikaner wohl gewesen sein mußte, um das als „starke
    Strömung“ zu bezeichnen??? 🙁

    * Südfrankreich 2007, Ile de Port Cros, Tauchplatz „P.te de la Galere“:
    Unser Schlauchboot hatten wir an der Boje festgemacht und schwammen nun an der Oberfläche
    zu den Felsen, um dort abzutauchen. Währenddessen kam das Tauchboot von Port Cros
    angefahren und machte ebenfalls an der Boje fest. Wie wir auf dem Rückweg sahen, waren
    lauter „Kreiseltaucher“ an Bord gewesen – aber auch zwei Taucherinnen mit DTG, wie sich
    kurz darauf herausstellte. Diese hatten wir bereits im 5m-Bereich von unten an der
    Boje gesehen – ohne uns irgendetwas schlimmes dabei zu denken… Wir waren noch nicht
    ganz zurück an Bord, als wir realisierten, was los war. Eine der beiden Taucherinnen
    war der Panik nahe, weil sie vermutlich zu viel Blei hatte und der Anzug sie stark
    einengte und sie drohte unterzugehen. Die andere hatte Mühe, sie zu beruhigen und sie
    zu halten. Wir holten sie zu unserem Schlauchboot und nahmen der Verunfallten Blei und
    Jacket ab, so daß sie sich ohne Kraftanstrengung und am Schlauchboot locker festhaltend
    über Wasser halten und sich beruhigen konnte.
    Erst jetzt bemerkten wir, wie knapp die beiden an der Katastrophe „vorbeigeschrammt“
    waren: Auf dem Tauchboot war NIEMAND zurückgeblieben, alle waren tauchen gegangen! Und,
    noch viel eklatanter und vollkommen unfaßbar: Es war vergessen worden, die Leiter
    auszuklappen!!! So war es praktisch unmöglich wieder an Bord zu klettern (auch ohne
    Tauchausrüstung)! Alleine sowieso nicht. So kletterte einer von uns vom Schlauchboot
    aus auf das Tauchboot und ließ die Leiter zu Wasser und half den beiden Taucherinnen
    an Bord. Wenn wir nicht zufällig mit unserem Schlauchboot vor Ort gewesen wären, hätte
    das äußerst böse enden können! So waren alle – auch die zurückkehrenden Kreiseltaucher –
    noch einmal mit dem Schrecken davongekommen…

    In diesem Fall bestand das Problem also nicht in mangelnder Fitneß, sondern in einer
    unvorhersehbaren Situation. Selbst bei bester körperlicher Verfassung kommt man alleine
    als Helfer schnell an seine Grenzen! Aber wie soll so eine Situation enden, wenn man
    untrainiert ist???

    * Grevelinger Meer 2017, Tauchplatz „Den Osse Parkplatz“:
    Eine korpulente Taucherin hatte es nach dem Tauchgang die Treppe aus dem Wasser hinauf
    geschafft – aber dann „ging nichts mehr“. Minutenlang stand sie auf dem Steg. Erst als
    ihr Jacket mit Flasche, Blei und Flossen abgenommen wurden, schaffte sie es – langsam! -,
    den Weg hoch über den Damm und dann hinunter zum Parkplatz zurückzugehen. Torsten und
    ich fragten uns verzweifelt, wie die Taucherin den Hinweg zum Wasser geschafft hatte
    und warum sie sich diese Quälerei überhaupt angetan hatte!?!? (An diesem Tauchplatz gibt
    es keine Strömung, wegen der man eventuell körperlich erschöpft sein könnte.)

    Ich könnte weitere solche Erlebnisse auflisten. 🙁 Im ersten und letzten Fall bestand reellerweise keine Tauchtauglichkeit (zumindest nach unserer Definition!) – obwohl die Personen sicherlich ein entsprechendes ärztliches Attest vorweisen konnten.

    Diese – erschreckenden – Erlebnisse zeigen aber auch auf, wie wir auf die Übungen gekommen sind. Die Ausrüstung (Flasche(n), Jacket, Blei, Lampe(n) etc.) ist schwer. Dieses Gewicht muß zusätzlich zum eigenen Körpergewicht zum Wasser hin und wieder zurück beziehungsweise eine Leiter oder Treppe hoch getragen werden. Hinzu kommt, daß zum Beispiel ein gut sitzender 7mm-Halbtocki die Beweglichkeit etwas einschränkt, aber auch die Atmung etwas erschwert. Höhere Temperaturen stellen weitere, zusätzliche Anforderungen an den Kreislauf. Wer dabei bereits seine körperlichen Grenzen erreicht, kann im Notfall niemandem mehr helfen – und ist damit nach unserer Definition nicht voll tauchtauglich!

    Wieso zum Beispiel acht Liegestütze und nicht neun oder nur sieben? 🙂 Klar, das ist immer etwas willkürlich gewählt, aber es sollten schon bestimmte Zahlen genannt werden. Deshalb hatten wir auch bewußt hinzugefügt, daß diese Angaben *Mindestanforderungen* darstellen. Im Klartext: Drei Klimmzüge sind z.B. das absolute Minimum! (Als ich vor einem Jahr eine böse Erkältung hatte und zwei Monate keinen Sport machen konnte, habe ich danach mit drei Klimmzügen angefangen – also gehe ich davon aus, daß ein gesunder Mensch auf jeden Fall mit minimalem Trainingsaufwand mehr Klimmzüge schafft! Wenn wir nun in unserem Artikel drei Klimmzüge fordern, sollten das nicht zu viele sein!) Ähnliches gilt für die anderen Übungen. (Kleiner Zusatz: Mein inzwischen 81jähriger Vater macht jeden Morgen 10 Liegestütze, um fit zu bleiben – bitte erzähle mir niemand, daß acht Liegestütze von 80 % der Taucher nicht geschafft werden können!)

    Wir haben selbstverständlich auch das weibliche Geschlecht vorher gefragt, ob die Übungen zu schaffen sind. Wie bei den Männern, so meinten auch die einen Frauen, daß das kein Problem wäre, während andere meinten, daß sie die geforderte Anzahl an Wiederholungen nicht schaffen würden.

    Auch unsere Übungen alleine gewährleisten natürlich nicht eine körperliche Tauchtauglichkeit. Aber aus Torstens und meiner Sicht braucht jemand, der unsere vorgeschlagenen Übungen nicht schafft, erst gar nicht mit Tauchausrüstung zum Wasser zu gehen – weil er oder sie nur eine Gefahr für sich selbst und andere Taucher darstellt.

    Und wie ist das mit der „klassischen“ TTU? Bei dem Taucherarzt meines Vertrauens mache ich im wesentlichen eine Lungenfunktionsprüfung und ein Belastungs-EKG. Erstere zeigt mir zu meiner Freude bis jetzt jedesmal, daß mein Lungenvolumen noch nicht geschrumpft ist. Und
    letzteres? Tja, das kann ich nicht so genau sagen, da mein Kreislauf bei meinen Dauerläufen und meinen Trainingsfahrten mit dem Fahrrad deutlich mehr und länger belastet wird. Mit anderen Worten: Für das Geld, das ich für die TTU zahle und für die ich grob gesehen einen halben Urlaubstag nehmen muß, bekomme ich keine wirklich neuen Informationen über meinen Fitneß-Zustand – und schon gar keine Information darüber, ob ich tatsächlich tauchtauglich bin!

    Wenn ich tauchuntauglich bin, dann will ich auch gar nicht tauchen (Erkältung, Durchfall etc.) – denn dann habe ich ganz andere Probleme!

    Und wozu soll ich eine TTU machen, wenn ich auf einer Basis sowieso unterschreiben muß, daß ich auf eigene Gefahr tauche… ??? Oder mir ein Basisleiter – nicht gerade fett, aber sicherlich deutlich weniger trainiert als ich – erzählt, ich müsse aber schleunigst eine neue TTU machen, weil die aktuelle in einem Monat abläuft (und er mich deshalb fast nicht ins Wasser lassen wollte!)! 🙂 🙁

    Keine Frage, die aktuelle Situation erfaßt nicht wirklich, worauf es tatsächlich ankommt!

    Aus meiner Sicht besteht ein wesentliches Problem darin, daß den Leuten generell vermeintlich immer mehr Verantwortung sich selbst gegenüber abgenommen wird, weil sie z.B. meinen, daß sie ja tauchtauglich sind, weil sie die TTU bestanden haben. Wenn jeder die TTU besteht (nur „Scheintote“ nicht – so manchmal mein Eindruck), ist diese TTU nichts mehr wert. Genauso, wie die Schulnote „1“ keinen Wert mehr hat, wenn quasi jeder eine bekommt.

    Ja, wenn die TTU wieder eine Aussagekraft hat, dann wird es weniger Taucher geben!!! Es darf nicht jedem vorgegaukelt werden, er oder sie wäre tauchtauglich, nur weil mehr Taucher auch mehr Geld in die Kassen der Tauchartikel-Hersteller und Tauchbasen spülen!

    Zum Abschluß und als Ansporn zum Nachdenken möchte ich den Mediziner Ernst van Aaken aus seinem Buch „Programmiert für 100 Lebensjahre“ aus dem Jahre 1974, Seite 17, erschienen beim Pohl-Verlag in Celle, zitieren. Unter dem Titel „Was ist Gesundheit?“ schreibt van Aaken unter anderem:

    „… Gesundheit ist nicht Durchschnitt, sondern gesteigerte Norm und individuelle mögliche Höchstleistung, dem Lebensalter entsprechend. Sie ist sichtbar gewordener Wille und Bewegungsmotiv zur Dauerleistung sowie zur Reduzierung der Nahrungsaufnahme und ist Willensstärke als Dauerhaftigkeit.
    … Gesund ist auch nicht mehr zu nennen, wer die Musterung zur Bundeswehr übersteht, das Sportabzeichen erwirbt, im Schulfach Leibesübungen eine befriedigende Note mitbringt und relativ frei von bedrohlichen Zivilisationskrankheiten ist, sondern gesund ist nur, wer beim Sichbemühen die Grenzen überschreitet, geistig und körperlich, die durch statistische Abschätzung als sogenannte Norm gezogen wurden.
    So ist Gesundheit von überdurchschnittlicher, individueller Leistungsfähigkeit nicht zu trennen.“

    🙂 Diese Aussagen mögen einige Zeitgenossen aufgrund ihres „Alters“ von nunmehr grob 45 Jahren für vollkommen überholt und antiquiert halten. 🙂 Ich orientiere mich jedenfalls sehr gerne daran! 🙂

    Selbstverständlich könnte ich jetzt noch weitere Stellungsnahmen zu einigen lustigen Kommentaren hier abgeben. 😉 Aber in der Zeit, die ich dafür brauche, mache ich jetzt lieber ein paar Liegestütze oder Klimmzüge! 😉

    Ich wünsche euch allen noch viele schöne, ereignisreiche Tauchgänge und daß ihr nie in die Verlegenheit kommt, eure körperliche Fitneß unter Beweis stellen zu müssen – sei es, daß ihr andere Verunfallte an Land oder auf das Tauchboot bringen müßt oder ihr nicht mehr gegen eine Strömung ankommt etc.!

    Viele Grüße

    Kai Schröder

    Antwort
  • 28. März 2019 um 11:27
    Permalink

    Da ab 40.Lj. eh ein Belastungs-Ekg vorgesehen ist,nicht nach den kardiologischen Kriterien belasten, sondern nach den Vorgaben der G26 (Grundsatz Leistungsprüfung für schweren Atemschutz bei Feuerwehr etc.). Es geht dabei vielmehr um die körperliche Belastbarkeit als um die Frage nach möglichen Veränderungen im Bereich der Herzkranzgefäße: der Probant muss das 2,1-fache (Frauen 1,8-fache) seines Körpergewichts in Watt bei einer max Pulsfrequenz von 150/min treten können. Man ändert lediglich die Zielvorgabe und erhält ein gutes Maß für die körperliche Belastbarkeit ohne Mehraufwand.

    Antwort

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