UNFALL-ANALYSE

Seit zwölf Jahren wird im VDST eine Tauchunfall-Statistik geführt, für mehr Sicherheit im Tauchsport 




Erfasst werden Häufigkeit und Schwere von Tauchunfällen sowie die Rahmenbedingungen der Unfalltauchgänge, um daraus für die Ausbildung und die Sicherheit Erkenntnisse zu gewinnen und unsere Ausbildungsempfehlungen entsprechend anzupassen. In der gesamten Zeit wurden 572 Unfälle, jeweils nach Kalenderjahr, erfasst und ausgewertet. Grundlage für die Auswertungen sind die Protokolle der Hotline-Ärzte und die Schadenmeldungen unserer Versicherer HDI Gerling (Inland) und Europa Versicherung (Ausland). 

Hohe Zahl an Unfällen
2018 war die Zahl der Tauchunfälle überdurchschnittlich hoch. So hatten wir 62 gemeldete Unfälle (sonst durchschnittlich 52 pro Jahr). Mit zwei tödlichen Tauchunfällen lagen wir dafür etwas unterhalb des Durchschnitts der letzten Jahre (48 in zwölf Jahren), auch im internationalen Vergleich. Bei genauerer Betrachtung der gesamten Unfälle ergaben sich dabei zwei Todesfälle, 48 Tauchunfälle und 14 Unfälle beim Tauchen. Zu den Tauchunfällen zählen wir alle Unfälle, die ein Tauchunfall gemäß der bestehenden „Leitlinie Tauchunfall“ sind. Unfälle beim Tauchen waren 2018 zum Beispiel ein Haibiss, Feuerfischverletzungen, Thoraxprellung oder Schädelprellung, Pneumothorax und diverse Barotraumen. Von den verunfallten Tauchern waren 74 Prozent männlich und 26 Prozent weiblich. Erstmals passierten Dreiviertel der Tauchunfälle im Ausland (in den vergangenen Jahren hatten wir etwa gleich viele Unfälle im Inland und im Ausland). Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren waren die Monate März und September die unfallträchtigsten Monate und nicht die Sommermonate Juni bis August.

Ältere Taucher verunfallen häufiger
Das mittlere Alter unserer verunfallten Taucher lag 2018 mit 48 Jahren bei den Frauen leicht über dem Altersdurchschnitt (45,5 Jahre) und mit 50 Jahren bei den Männern deutlich über dem Altersdurchschnitt (44,7 Jahre) der vergangenen Jahre. Erstmals gab es genauso viele weibliche wie männliche verunfallte Taucher. Es zeigt sich aber immer wieder, dass die Unfallhäufigkeit jenseits des 40. Lebensjahres bei beiden Geschlechtern deutlich zunimmt – sicher ein Grund mehr für die dann jährlich empfohlene Tauchsportuntersuchung mit Belastung. Bei den Tauchunfällen im Erwachsenenalter finden sich über 70 Prozent der Unfälle bei erfahrenen Tauchern, davon ein Drittel bei Tauchern mit Taucherfahrung von über 700 Tauchgängen. Ursächlich hierfür ist sicherlich das höhere Alter der Taucher mit vielen Tauchgängen, vielleicht aber auch eine geringere Sorgfalt gegenüber den eigenen Grenzen.

Unfälle bei tiefen Tauchgängen
Die Tauchtiefen der Unfalltauchgänge waren im Jahr 2017 zu mehr als 50 tiefer als 30 Meter, auch war eine deutlich verlängerte Tauchgangsdauer festzustellen (über 50 Minuten, im Vergleich zu früher durchschnittlich 35 Minuten), was auch an der Zunahme von sogenannten Tec-Tauchgängen liegen kann, die doch immer ein erhebliches Risiko für einen Tauchunfall darstellen, besonders wenn sie nicht sorgfältig geplant und durchgeführt werden. Die häufigsten erfassten Symptome waren Schwindel, Missempfindungen und Hautveränderungen, gefolgt von Gelenk- und Muskelschmerzen. Die meisten dieser Verunfallten mussten einer hyperbaren Sauerstofftherapie in der Druckkammer zugeführt werden. Ursächlich für die Beschwerden und Unfälle stehen an erster Stelle noch immer Wiederholungstauchgänge mit zum Teil sehr kurzen Oberflächenintervallen, dicht gefolgt von Panik/verpasster Dekompression und Notaufstieg; in vielen Fällen spielte herbei auch Partnerverlust eine große Rolle. An dritter Stelle stehen innere Erkrankungen, und hier an erster Stelle die Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unter den Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr gab es 2018 ein Barotrauma des Ohrs nach Panikaufstieg. Ferner hatten wir vier Unfälle beim Technischen Tauchen: ein tödlicher Unfall beim Höhlentauchen (weiter oben schon aufgeführt), zwei schwere Dekompressionsunfälle, und einmal Inhalation von Lauge aus einem Kreislaufgerät.

Unsere Autorin:
Dr. Heike Gatermann
VDST Ärztin und seit Beginn in der Hotline

2 Gedanken zu „UNFALL-ANALYSE

  • 12. Juli 2020 um 09:51
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    Guten Morgen,

    vielen Dank für den Beitrag. Ich habe bisher noch nie getaucht sondern es besteht mir noch bevor. Ich habe sehr großen Respekt vorm tauchen. Zu einem die ganzen Gefahren durch die Geräte sowie Regeln sowie Haien.

    Mein Tauchbuddy und ich würden sehr gerne unsere Tauchausbildung in Koh Tao Bans Diving Resort machen. Also den Open Water Diver 18 m. Tiefer möchten wir garnicht tauchen da uns 18 m reichen. Da wir nur in warmen Gebieten wie Ägypten Spanien Thailand Bali usw. tauchen möchten, würden wir vom Kauf einer Ausrüstung verzichten, da wir nur vorhaben das Tauchen mit unseren Urlauben zu verbinden.

    Kann ich mich bei den Tauchresorts wo man Tauchgänge für Urlauber buchen kann darauf verlassen, dass das Equipment in Takt ist ? Oder muss ich da meine Bedenken haben.

    Ebenfalls würde ich sehr ungern die Erfahrung mit einem Hai machen. Wenn ich im Urlaub zu typischen Gruppentauchgängen an Tourispots mitmachen, ist die Chance sehr gering einen zu sehen ? Denn man weiß zwar wie man sich verhalten soll, jedoch weiß ich nicht ob ich dann wirklich ruhig bleiben könnte. Würde es ungern ausprobieren da es hierbei auch um mein Leben geht. Vorallem wenn man weiß das man nicht ohne die 5 Meter Pause hochkommt.

    Man sieht immer das schöne am Tauchen aber wenn ich so sehe wie schnell man unter Wasser sterben kann kriege ich doch meine Bedenken.

    Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich freuen.

    PS: Meine Frau und ich wollen das gemeinsam machen. Wir sind sehr sorgfältig und würden niemals Risiken eingehen. Somit würden wir als Buddys perfekt sein. Dennoch haben wir Angst und brauchen da einfach mal einen Rat zu den obigen Fragen.

    Antwort
    • 12. Juli 2020 um 13:19
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      Hallo Andre, liebe Familie Kramer,
      zuerst einmal möchte ich versuchen, Ihnen jedwede Angst vor Ihrem ersten Tauchgang zu nehmen. Respekt ist gut, Angst müssen Sie keine haben.
      Stellen Sie sich einfach vor, sie gehen wandern, unter Wasser. Im Gegensatz zum Wandern im Wald zeigen die Tiere im Korallenwald weniger Scheu vor uns Menschen, was sicher daran liegt, dass Fische und noch einfachere Meereslebewesen sehr viel stärker vom Instinkt geleitet sind als Säugetiere.
      Deshalb müssen Sie auch überhaupt keine Angst vor Haien haben. In der Regel gehen ihnen Haie aus dem Weg, schon allein weil Taucher nicht im entferntesten in ihre Nahrungskette passen. Und ehrlich gesagt ist es ein großartiges Erlebnis, diesen wunderschönen Fisch live zu erleben, wenn man denn das Glück hat, dass er kurz vorbeischaut.
      Die Leihausrüstung ist in akkreditieren Tauchbasen der großen Verbände, neben dem VDST – den wir natürlich empfehlen – auch SSI und PADI, sehr gut gepflegt. Trotzdem empfiehlt es sich, einen Blick in die Füllstation der Basis zu werfen. Ist der Ort sauber und aufgeräumt dürfte in der Regel alles stimmen. Und natürlich können sie sich auch mit den in Tauchsachen erfahrenen Gästen erkundigen. Diese checken in der Regel auch die Notfallausrüstung wie Sauerstoffkoffer und Rettungskette. Mit dem okay der erfahrenen Taucher können Sie sich dann bedenkenlos in die Fluten stürzen.
      Toll finde ich es, dass Sie gemeinsam mit Ihrer Frau das Abenteuer Tauchen angehen. Tauchen ist ein Sport den man am besten gemeinsam erlebt und unser Motto, „Tauche nie allein“ hat durchaus seine Berechtigung.
      Vielleicht besuchen Sie vorab mal gemeinsam einen Tauchverein in Ihrer Nähe, schnuppern schon mal Pressluft im Hallenbad und hören sich die vielen tollen Geschichten anderer Taucher an, die meist genauso angefangen haben wie Sie. Und wenn Reisen in exotische Tauchländer mit warmem Wasser und bunten Riffen wieder möglich ist, sind Sie frei von Angst und gut gewappnet.
      Worauf warten Sie noch?
      Mit den besten Grüßen und „Gut Luft“
      Dietmar Fuchs /Chefredakteur

      Antwort

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