Chronologie der UW-Fotografie

Auch die Geschichte der Unterwasserfotografie speist sich aus unzähligen bekannten und unbekannten Erfindungen – und Abenteuern, um deren Einsatz. Wir können deshalb nur einen kleinen Auszug wiedergeben. 


1889 – Der Marquis de Folin schlägt Albert I. von Monaco vor: „Ich dachte dabei erst an ein Gerät, das die Anwesenheit von Licht unter Wasser erkennen oder eher feststellen könnte (Bathysphotoskop). Später dachte ich an eine Fotokamera, mit der man Bilder von dem von uns befischten Meeresgrund aufnehmen könnte. Natürlich würde das zweite Konzept genügen, da eine beleuchtete Platte die Existenz von Licht beweisen würde. Falls der Meeresgrund kein Licht empfinge, was mir seltsam erscheint, würde die Hinzufügung einer elektrischen Lampe es ermöglichen, den Boden zu fotografieren.“
– Der Franzose Etienne Pinard gibt Hinweise zur Konstruktion einer Unterwasser-Kamera. Sie wird tatsächlich gebaut.

1891– Dr. W. Stevenson publiziert seine Überlegungen zum Einsatz von Objektiven unter Wasser.

1893– Louis Boutan macht zwischen Mai und Juli mit Unterstützung des Mechanikers Joseph David seine ersten Unterwasseraufnahmen in mehreren Metern Tiefe der kleinen Bucht von Le Troc. David konstruiert auch eine Vorrichtung, um in einer Glasglocke Magnesiumpulver abbrennen zu können. Das erste Unterwasser-Blitzlicht!


1898– Der Mechaniker des „Laboratoire Arago“ der Meeresbiologischen Station in Banyuls-sur-Mer Joseph David konstruiert für Boutans dritte Unterwasser-Kamera ein Qualitätsobjektiv und eine Vorrichtung, mit der sich Unterwasser sechs Platten nacheinander belichten ließen. Das Gerät muss mit einem Flaschenzug ins Wasser gehievt werden und hängt an einem schwimmenden Fass.
– Die Wissenschaftler Dr. J. E. Romborsts und C. L. Bristol sollen Versuche zur Unterwasser-Fotografie unternommen haben. Prof. Bristol berichtet an J. Reighard, dass er bereits seit 1898 mit einem entsprechenden Apparat experimentiere: „Dabei ist es mir möglich, in einem Magazin mehrere Platten unter Wasser mitzunehmen und zu wechseln. Nach einigen Jahren der Erprobung ist das Gerät jetzt sehr effizient und produziert hervorragende Bilder“ (Weinberg etc. 1953, S. 53. Allerdings, so Weinberg etc., „ist es uns nicht gelungen, auch nur ein einziges Bild dieser Fotografen wiederzufinden.“

1899 – Anfang Oktober versenkt Louis Boutan eine tonnenschwere Fotoanlage mit zwei Bogenlampen bis in 50 Meter Tiefe und macht via Fernbedienung ein gelungenes Bild. Er beweist, dass Aufnahmen auch in größeren Tiefen technisch möglich sind.

1900 – Louis Boutan veröffentlicht das erste Buch zur Unterwasserfotografie: Louis: La Photographie Sous-marine et le Progrès de la Photographie. Paris: Schleicher, 1900; Reprint 1987.
– Der Amerikaner Louis Walkins lässt sich ein fernauslösbares Stereo-Unterwasser-Fotosystem mit zwei kugelförmigen Kameras und einer Lichtbogenlampe, patentieren. Seine Erfindung, gedacht zur Schiffsrumpfüberprüfung und Meeresbodenerkundung, wird aber wohl nie erprobt.

1901 – Die ersten Stereo-Unterwasser-Aufnahmen: Dr. E. Adenot fotografiert Schwimmer im See von Annecy mit einer Stereokamera, um einen Eindruck von der Tiefe zu vermitteln. Der Arzt taucht allerdings nicht selbst, sondern fotografiert von der Oberfläche aus durch eine Röhre mit einem Glasfenster.

1905 – Der Franzose Etienne Peau beschäftigt sich für ein Verlagsvorhaben zum Thema Illustrationen nach der Natur auch mit den Arbeiten von Louis. Er konstruiert und experimentiert mit einer fernausgelösten Unterwasser-Kamera. 1907 gelingen ihm als Erstem Fotos im trüben Wasser des Ärmelkanals. 1908 veröffentlicht Peau seine Erfahrungen zum Thema Unterwasserfotografie.

1920 – Auf Wunsch der französischen Regierung zur Untersuchung verminter Kohlebergwerke in der Region Lens baut Siebe, Gormann & Co. eine spezielle Unterwasser-Kamera. Das metergroße und 870 Kilogramm schwere Gerät besitzt vier gleichzeitig fotografierende Weitwinkelkameras und acht Quecksilberdampflampen. Das Zusammenfügen der je vier Bilder ergibt eine Totalansicht des umgebenden Stollens.


1937 – Erich Wasmund macht unter Benutzung eines Helmtauchgerätes erste Unterwasser-Aufnahmen in der Kieler Förde.

1939– Der amerikanische Wissenschaftler Hugh Bradner lernt 1937 bei dem Physiker E. Thomas tauchen. 1939 unternimmt er erste Versuche in der Unterwasserfotografie.

1938– Hans Hass hält sich vom Juli bis September in Dalmatien auf und schießt freitauchend seine ersten Unterwasser-Fotos mit einer halbautomatischen Robot-Kleinbild­kamera in einem wasserdichten Gehäuse.


1947– Jordan Klein gründet in den USA die Marine Enterprises Inc. und beginnt mit dem Bau von Harpunen und Unterwasser-Kameragehäusen.

1948– Der Erfinder Jean de Wouters d’Oplinter, Sohn eines belgischen Barons, tritt in den französischen Club Alpine des Sous-Marine ein und lernt tauchen. Als begeisterter Techniker beginnt er sofort mit der Konstruktion eines Aquaplane Sous Marin, also eines Unterwasser-Gleiters, und eines Unterwasser-Gehäuses für seine Stereokamera.

1950– Die französischen Physiker Le Grand und Alexandre Ivanoff berechnet ein Vorsatzlinsensystem für Unterwasser-Kameras. Ivanoff erhält dafür das U.S.-Patent 605.290. Bei der Verwendung des Vorsatzes bleibt der ursprüngliche Bildwinkel des Objektivs erhalten.
– Der französische Erfinder und Ingenieur Dimitri Rebikoff entwickelt, basierend auf Erfahrungen des Amerikaners Harold Edgerton, das erste „europäische Elektronenblitzgerät“, das Éclatron.


1952– Der französische Erfinder Dimitri Rebikoff stellt nach mehreren Versuchen mit voluminöseren Modellen (La Baleine, Bébé I und II) seine berühmte Torpille vor, das erste handliche Unterwasser-Elektronenblitzgerät der Welt.
– Hans Hass fotografiert im Großen Barriereriff mit der neuen Unterwasser-Kamera „Rolleimarin“ der Braunschweiger Firma Franke & Heidecke, eine Kombination der zweiäugigen Mittelformatkamera Rolleiflex mit einem sehr gut durchdachten Unterwasser-Gehäuse.

1953– Dimitri Rebikoff dreht im Verlauf von 38 Tauchgängen den Film „Palais de Corail“. Er widmet sich verstärkt der Entwicklung von Unterwasser-Foto- und Filmzubehör. Es sind meist Blitzgeräte, Kamera­gehäuse und Schein­werfer. Sie sind teils miteinander kombi­niert und manchmal gar mit einem An­trieb ausgestattet.

1954– Kurt Schaefer lässt sich die Idee zu seiner hüllenlosen Kleinbildkamera Marina 24×36/1, f=37 Millimeter in Österreich patentieren: hüllenlose Unterwasser-Fotokamera, AT179967B. Damit gebührt Schaefer, neben dem Verdienst der ersten wasserdichten Unterwasser-Schmalfilmkamera, schon sieben Jahre vor der Patentanmeldung der Calypso-Phot auch das des Erfinders des ersten hüllenlosen Unterwasser-Fotoapparats.

Nikonos Calypso


1956– Jean de Wouters, inzwischen Mitarbeiter in der Fa. La Spiro­technique, beginnt in deren Auftrag mit der Entwicklung einer wasser­dichten Kleinbildkamera. Der Prototyp heißt Spiro Etanche. Ihr wasserdichtes Wechselobjektiv wird im Juni 1957 patentiert.

1963– Die Fa. La Spirotechnique verkauft die Calypso-Phot an den Fotoriesen Nikon. Ihr Konstrukteur de Wouters geht für zwei Jahre mit nach Japan, um an deren Weiterentwicklung mitzuarbeiten.

1964– Im Mai kommt die von Nikon hergestellte Nikonos, eine Weiter­entwicklung der Calypso-Phot, in den Handel. Verbesserte Modelle erscheinen in den Folgejahren als Nikonos II bis V auf dem Gerätemarkt.

Nikonos II

1979– Schon 1966 wies der Erfinder Kurt Schaefer den österreichischen Kamerahersteller Eumig auf seine hüllenlose Unterwasser-Schmalfilmkamera namens M8/1 hin. Das Traditionsunternehmen brachte jedoch ohne Würdigung Schaefers Vorarbeiten 1979 eine wasserdichte Super-8-Filmkamera namens „Eumig Nautica“ als „Weltneuheit“ heraus. Zu einer Klärung juristischer Ansprüche Schaefers kam es nicht, denn schon 1982 meldete Eumig Konkurs an.
1992– Im Januar stellt Nikon mit der Nikonos RS AF die erste wasserdichte Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven und Autofokus vor. Es ist praktisch die sechste Version der Nikonos. Ihre Produktion wird um die Jahrtausendwende eingestellt. Die äußerst erfolgreiche Calypso-Phot-Nikonos-Story ist zu Ende!

Unser Autor:
Norbert Gierschner
Herausgeber & Verleger Tauchgeschichte spezial









Weitere Infos:
Illustrierte Chronologie der Tauchgeschichte, Bd. I

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