VATER DER NAUTILUS

Robert Fulton (1765 -1815)
Die Reihe berühmter Boote namens Nautilus ist lang: So hieß ab 1869 die Nautilus bei Jules Verne, die ehemalige USS 012, die 1931 in Richtung Nordpol fuhr, die mit Kernkraft betriebene USS Nautilus, 1954. Die erste Nautilus aber baute Robert Fulton im Jahr 1800.






Robert Fulton war ein in Armut aufgewachsener Bauernsohn aus Pennsylvanien, USA. Er erlernte in Philadelphia die Goldschmiedekunst. 1786 wanderte Fulton nach England aus und wurde Schüler des Malers Benjamin West. Die Royal Academy akzeptierte einige Bilder. Um 1793 gab er die Malerei auf und widmete sich nun mit viel Geschick und Erfindungsgabe technischen Geräten und Projekten. Aber der große kommerzielle Erfolg blieb aus. Deshalb siedelte Fulton 1797 nach Frankreich über. In seinem Gepäck das „Projekt für die Konstruktion eines mechanischen Nautilus“. In Paris erläuterte er einem Gremium technischer Sachverständiger seinen Tauchfahrzeugentwurf und führte ein Modell vor. Danach wäre die Nautilus 6,5 Meter lang und 1,9 Meter breit. Der torpe­doförmige Druck­körper bestünde aus Holz, mit Kupferblech überzogen und durch eiserne Spanten verstärkt. Unter dem Druckkörper befand sich ein gusseiserner Kiel. Er fungierte als Ballast, war hohl und konnte zum Tauchen geflutet werden. Zum Auftauchen lenzte man ihn mit einer Handpumpe. Das Fahrzeug besäße ein Seitenruder und ein Tiefenruder. Wenn das Boot aufgetaucht war, sollten nur der kuppelartige Beobachtungs­turm und ein schirmförmiges Se­gel aus dem Wasser ragen. Der Mast des Segels war klappbar und die ganze Takelage durch Seile mit einer Winde verbunden. Mit ihr ließen sich von innen Mast und Segel setzen oder zusammenfalten. Bei Tauchfahrt soll­te das Boot mit einer von zwei Seeleuten zu drehenden Archimedischen Schraube angetrieben wer­den. Den zwei­flügeligen Propeller ersann Fulton erst später. Die Bewaffnung des Fahrzeuges bestand aus einer Mine, an einem langen Seil nachgeschleppt. Das Seil lief durch die Öse eines an der Kuppel befestigten stählernen Dornes. Der würde durch Auftauchen in den feindlichen Schiffsrumpf gerammt. Dann sollte die Nautilus weiterfahren, so die Mine an das gegnerische Schiff ziehen und sich selbst entfernen. Ein Kontaktzünder löst die Explosion aus. Das Gremium bemängelte eigentlich nur das Segel, dennoch wurde sein Entwurf abgelehnt. Unter welchen Umständen doch mit dem Bau eines Prototyps begonnen wurde, ließ sich nicht ermitteln. Wahrscheinlich finanzierte Fulton es selbst und mit Hilfe seiner Freunde und Bewunderer. Die Nautilus entstand auf einer Werft in Rouen. Gegenüber dem Modell ließ Fulton sie mit einem zwei Meter breiten und sechs Meter langen Deck ausrüsten. Am 29. Juli 1800 tauchte die Nautilus zum ersten Mal. Fulton fuhr mit zwei Mitarbeitern einmal fünf und einmal 17 Minuten lang bis in Tiefen von 7,5 Metern unter den Wellen der Seine umher. Die Funktionstüchtigkeit seiner Konstruktion schien erwiesen. Doch kein Interesse seitens der Marine. Fulton ließ die Nautilus nach Le Havre überführen und unternahm dort weitere Tests. Er rüstete das Boot mit einem Schlauch zur Luftversorgung aus, den ein Schwimmkörper an der Oberfläche hielt. Bei einem Tauchversuch blieb Fulton mit zwei Begleitern sechs Stunden unter Wasser. Weitere Umbauten und Tauchversuche dann in Brest. So erhielt die Nautilus zur Belüftung einen Druck­luftvorrat in Form eines kugelförmigen Behälters aus Kupfer mit auf 30 bar verdichteter Luft. Augenzeuge einer kampftechnischen Demonstration der Nautilus war der Marinepräfekt von Brest. Das Tauchboot steu­erte mit einer zehn Kilogramm Schießpulver enthaltenden „bomb submarine“, auch eine der Erfindungen Fultons, im Schlepp auf eine zwölf Meter lange Schaluppe zu. 200 Meter vor dem verankerten Fahrzeug tauchte die Nautilus, skeptisch beäugt von den Experten. War Fulton ein Schwindler? Nun, man würde sehen – und sah! Mit gewaltigem Getöse stieg eine Wassersäule empor und es regnete Schiffsteile. Vorstellung gelungen, dennoch: Keiner wollte seine Konstruktion. Eines Tages sprach Fulton ein englischer Geheimagent an mit einem verlockenden Angebot. Es schien, als nähme England seine Pläne ernster als Frankreich. Fulton reiste im Mai 1804 nach London. Doch er hatte auch hier keinen Erfolg. Selbst die gelungene Vorführung seiner neuen Minen im Oktober 1805 mit der Sprengung der Brigg Dorothea bewirkte keine Akzeptanz. 1806 verließ Fulton enttäuscht England.  In Amerika baute Fulton dann mit Unterstützung des Kaufmanns Livingston sein berühmtes Dampfschiff Clermont. Im Oktober 1807 dampfte es erstmals auf dem Hudson von New York nach Albany. Mit der Clermont und der Konstruktion 17 weiterer Dampfschiffe erreichte der geniale Erfinder schließlich doch eines seiner Ziele: Er wurde reich und berühmt.


Unser Autor:
Norbert Gierschner
Herausgeber & Verleger Tauchgeschichte spezial

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