SEEBÄLLE

Der Seeball ist die Wasserpflanze des Jahres 2020 und macht auf den Gewässerschutz aufmerksam


Seit 2011 machen der VDST zusammen mit dem Tauchsportverband Österreichs und dem Schweizer Unterwassersportverband mit der Wahl der Wasserpflanze des Jahres auf die Bedrohung vieler Wasserpflanzen aufmerksam. Dieses Jahr ist der Echte Seeball (Aegagropila linnaei) die Wasserpflanze des Jahres.
Diese Grünalgenart, die oft auch unter den Namen „Mooskugel“, „Algenkugel“ oder gar „Seeknödel“ bekannt ist, wächst in unterschiedlichen Formen. Die bekannteste ist sicherlich die Namensgebende, also die Kugelform. Diese entsteht, wenn die Algen durch Wind und Wellen vom Untergrund gelöst und dann hin und her gerollt werden. Dabei können die filzigen Kugeln einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimeter erreichen. Wenn die Algenfäden als dichter Rasen auf dem Seegrund oder als Büschel auf einem Stein wachsen, sieht das zwar ebenfalls noch schön aus, ist aber bei Weitem nicht mehr so beeindruckend. Der Echte Seeball erfreut sich besonders in  Japan großer Beliebtheit. Der japanischen Botaniker Kawakami Tatsuhiko gab dem Algenknäuel 1898 den umgangssprachlichen Namen Marimo. Dieser setzt sich aus „Mari“, einem Spielzeugball und „Mo“, für Pflanzen, die im Wasser wachsen,  zusammen. Der Seeball wird in Japan sehr verehrt und häufig als attraktive Grünpflanze in kleinen Vasen und Aquarien gehalten. Im Norden auf der Insel Hokkaido befindet sich im Nationalpark Akan Mashu ein großer See mit einer eigens dem Marimo gewidmeten Ausstellung, in der man alles über die Lebensweise erfährt und den Algenball vom Boot aus in seinem natürlichen Lebensraum beobachten kann. Und was gibt es als Souvenir zu kaufen? Natürlich eine Marimokkori, eine grüne Puppe, die inzwischen weit über die Grenzen Hokkaidos bekannt ist. Allerdings ist der Echte Seeball inzwischen an 60 Prozent der etwas über 200 weltweit bekannten Fundorte verschwunden. In Deutschland gab es früher einmal 33 Vorkommen. Wenn ihr ihn jetzt aber unter Wasser seht, dann ist es schon etwas Besonderes. In Nordwestdeutschland ist er inzwischen ausgestorben und auch früher bekannte Vorkommen wie beispielsweise im Galenbecker See und im Tiefwarensee in Mecklenburg-Vorpommern gibt es ihn nicht mehr. 


Wasserpflanzen der Jahre 2011 bis heute
Ausführliche Informationen über die Wasserpflanzen der vergangenen Jahre findest du unter www.wasserpflanze-des-jahres.org. 

2011 Wassernuss Trapa natans
2012 Dichtes Laichkraut Groenlandia densa
2013 Wechselblütiges Tausendblatt Myriophyllum alterniflorum
2014 Gewöhnliches Seegras Zostera marina
2015 Wasserschlauch Utricularis sp.
2016 Flutender Wasserhahnenfuß Ranunculus fluitans
2017 Weiße Seerose Nymphaea alba
2018 Stern-Armleuchteralge Nitellopsis obtusa
2019 Europäischer Froschbiss Hydrocharis morsus-ranae
2020 Echter Seeball Aegagropila Iinnaei

Umso erfreulicher ist es, dass es erst kürzlich wieder einen Fund im Feldberger Haussee in Mecklenburg-Vorpommern gab und in Brandenburg sind durch das VDST– und NABU-Projekt „Tauchen für den Naturschutz“ drei Vorkommen nachgewiesen, zwei davon im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land.  Wenn du also den Echten Seeball unter Wasser findest, dann melde den Fund bitte an Silke Oldorff, unsere Ressortleiterin Naturschutz, an: silke.oldorff@vdst.de 

Unser Autor:
Prof. Dr. Ralph O. Schill
Präsident des Wissenschaftlichen Komitees der CMAS

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