TRAININGSDATEN

Ein Sensor im Ohrenschutz und ein Brustgurt können das UW-Rugby-Spiel sinnvoll ergänzen


Der neue Sensor mit der sympathischen Gerätebezeichnung pete3d wurde von dem Grazer Rugby-Spieler und Embedded Systems Engineer Irfan Šehić für den einfachen Gebrauch entwickelt. Ohne zu stören, passt das gerade mal zwei Euro große Plastikgehäuse in die Ohrmuschel einer UW-Rugby-Kappe und misst Druck, Temperatur und die Beschleunigung im Raum. Über Bluetooth können die Daten per Handy und grafischer Darstellung auf einer Android-App ausgelesen und dargestellt werden. Jeder Spieler kann somit genau überprüfen, wie oft, wie tief und wie lange er in einem Spiel abgetaucht ist und wie viel Zeit er an der Oberfläche verbrachte.

Für Verbesserungen geeignet
Die Bedeutung der neuen Messmöglichkeit geht jedoch weit über die persönliche Leistungskontrolle hinaus – war es bisher zwar schon möglich, per Stoppuhr Tauchzeiten zu messen, ließ diese Methode bei der Genauigkeit zu wünschen übrig und versagte bei der Messung der Tauchtiefe ganz. Dank pete3d ist nun die Erhebung großer Messdatenmengen mehrerer Spieler über einen längeren Zeitraum erstmals problemlos möglich. Damit wird es denkbar, Erfahrungswerte und Schätzungen durch überprüfbare Daten zu ergänzen. Etwa bei der durchschnitt-
lichen Tauchzeit eines typischen UW-Rugby-Spielers, die gefühlt immer irgendwo bei etwa 15 Sekunden angegeben wird. Oder beim Vergleich der Tauchprofile von Torwart, Verteidiger und Stürmer. Darüber hinaus kann man aus den Daten auch Antworten auf Fragen ableiten: Etwa ob eine erfolgreiche Mannschaft mehr Zeit unter Wasser verbringt als ihre Gegner oder vielleicht sogar weniger? Bei entsprechender Aufbereitung könnten Trainer zukünftig Ziele und Methoden an den Teamdaten ausrichten.

Daten muss man lesen können
So erstaunlich die Möglichkeiten von pete3D für das UW-Rugby auch sind, um damit Analysen für das Training zu leisten, müssen die Daten erhoben, bearbeitet und interpretiert werden. Auf der Weltmeisterschaft in Graz 2019 trafen sich dafür pete3D-Entwickler Irfan Šehić und Dr. Julie Vercelloni, eine australische UW-Rugby-Spielerin, die an der Queensland University of Technology arbeitet, mit dem Autor dieses Artikels, um ein entsprechendes uwrAcademy-Projekt zu gründen. Dr. Vercelloni hatte bereits an einem uwrAcademy-Projekt zur automatischen Erstellung von Spielplänen mitgearbeitet –  sie ist spezialisiert auf die Analyse großer Datenmengen und ihr Institut arbeitet bereits erfolgreich mit Trainern und Sportlern anderer Sportarten.

Zeit und Tiefe sind erst der Anfang
Schon kurz nach dem Treffen der Mitglieder des Sensor-Projekts gelang es Šehić mithilfe eines Garmin-HRM-Brustgurtes die Herzfrequenz eines Spielers zu messen und mit der  Tiefen- und Daueraufzeichnung zu synchronisieren. Somit lagen zum ersten Mal in der Geschichte des UW-Rugby-Sports überprüfbare und miteinander verknüpfte physikalische und physiologische Daten über UW-Rugby-Spieler aus einem Spiel vor.

Zweite Stufe in Planung
Geplant ist nun eine Studie mit mindestens zwei UW-Rugby-Teams über einen längeren Zeitraum, um genug Daten für eine Analyse zu sammeln. Damit könnten dann entsprechende Aussagen über generelles Spielverhalten eines Spielers auf unterschied-
lichen Positionen sowie Belastung und Trainingseffekte getroffen werden. 


Unser Autor:
Wolfgang Tress
Redaktion sporttaucher
UW-Rugby
-Trainer & Schiedsrichter

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