YOUNG STAR

„Die Geschwindigkeit zog mich in ihren Bann“

Eine aus deutscher Sicht fantastisch Weltcuprunde in Leipzig liegt hinter den Finswimmern des VDST. Mit 27 Medaillen, davon zehn goldenen sowie drei deutschen Jugendrekorden und einem deutschen Vereinsrekord haben die Athleten eines der besten Ergebnisse seit der Einführung des World Cups 2006 erzielt (siehe VDST-sporttaucher 4/18). Zum dritten Mal nach 2011 und 2015 richtete der SC DHfK Leipzig das Aufeinandertreffen der internationalen Finswimming-Elite in der Messe- und Sportstadt aus. Und es war wie schon 2015 ein Mammutereignis. Über 450 Starter von vier Kontinenten, aus 22 Nationen und 81 Vereinen sind in 40 Einzel- und Staffelwettbewerben an den Start gegangen und haben für eine Menge spannende Rennen, Gänsehautmomente, Rekorde aber auch Enttäuschungen und Niederlagen gesorgt. In Topform präsentierte sich einer unserer jungen Nachwuchsfinswimmer Justus Mörstedt aus Weimar. Der 16-jährige Sprinter sorgte mit drei Goldmedaillen und drei deutschen Jugendrekorden für einige der Highlights dieser Veranstaltung. Dem VDST-sporttaucher hat Justus ein paar Einblicke in sein Training und seine Motivation gegeben:

VDST-sporttaucher: Der TSC Weimar ist in der Finswimming-Szene erst seit 2013 bekannt und hat sich innerhalb von 5 Jahren an die deutsche Spitze gekämpft. Warst du von Anfang an dabei?

Justus Mörstedt: Ja! Tatsächlich war ich einer der Sportler, die damals den Start dieser fantastischen Sportart in unserem Verein angingen. Der Grund für unseren rasanten Start Richtung Treppchen auf nationaler Ebene führt zum einen auf den gut organisierten Triathlonsport beim Hochschulsportverein Weimar zurück, von dem nicht nur ich sportlich aufgebaut wurde. Hier wurde gute Grundlagenarbeit geleistet. Hinzu kamen zum richtigen Zeitpunkt die Kompetenz und die Stärke unseres Heimtrainers Thomas Guth. Er hat die Potentiale erkannt und gekonnt ausgebaut. Und das Beste: Wir hatten alle unheimlich Spaß daran.

sporttaucher: Wie bist du zum Finswimming gekommen? Was wäre sportlich aus dir geworden, wenn du nicht beim Finswimming gelandet wärst?

Justus: Ursprünglich bin ich dem Tauchsportverein nur beigetreten, weil ich mit Kumpels des Tauchsportvereins gemeinsam in ein Ferienlager fahren wollte. Wie schon erwähnt, war ich bis dato noch im Triathlon aktiv und erfolgreich. Dann wurde ich von unserem Trainer auserkoren, doch mal mit „dieser Flosse“ zu schwimmen. So zogen mich die Geschwindigkeit, der Reiz etwas Neues aufzubauen und der Erfolg sehr schnell in den Bann. Hinzu kam, dass ich im Triathlon wegen eines Knieproblems kürzertreten musste, im Wasser hatte ich damit weniger Probleme. Ich denke, dass ich meine Kraft und Energie sonst voll in den Triathlon investiert hätte. Mit Sicherheit wäre es jedoch bei regionalen Erfolgen geblieben, da die Leistungsdichte hier einfach viel zu hoch ist. So genau lässt sich das aber natürlich nicht sagen, wer weiß, vielleicht wäre ich auch zum Schach gewechselt oder als Couchpotato zu Hause vergammelt.

sporttaucher: Hast du sportliche Vorbilder – Egal ob aus dem Finswimming oder einer anderen Sportart?

Justus: Mich fasziniert seit neustem der amerikanische Schwimmer „Cody Miller“. Seine Einstellung und Motivation sind in meinen Augen das Optimum. Ein gesunder Mix aus Ehrgeiz, Kampfgeist, Spaß und Selbstdisziplin. Dazu kommen all die inaktiven und noch aktiven erwachsenen Spitzensportler unseres Verbandes. Mich begeistert der Gedanke daran, nach einer erfolgreichen Karriere in dieser Sportart zufrieden einen weiteren Lebensabschnitt anzugehen und später wenn ich alt und runzlig bin, Geschichten über herausragende Erfolge und verrückte Abende mit Sport-Kollegen zu erzählen.   

sporttaucher: Gibt es Momente, in denen du dir sagst, eigentlich habe ich heute keine Lust zum Training? Machst du dann mal Pause oder gehst du trotzdem?

Justus: Das kann ich nicht leugnen. Natürlich geht es mir so! Am schlimmsten ist es, wenn ich um fünf am Morgen vor der Schule aufstehen muss, um eine selbst gesetzte Trainingseinheit zu absolvieren. Hier gibt es keinen Pflichttermin. Der innere Schweinehund ist ans kuschlige Bett gekettet und trotzdem schaffe ich es mit viel Überwindung immer wieder, aus der Komfortzone auszubrechen. Ansonsten bin ich ganz glücklich mit meiner Trainingsverteilung. Ich folge einem strikten Plan, an welchem Tag was ansteht, habe aber Glück im Unglück, dass ich selbst entscheiden kann, wann ich z.B. die Radrunde oder den Kraftkreis in meinem Tagesablauf unterbringe. Fest sind lediglich die zwei einstündigen Wassereinheiten in der Woche. Schade nur, dass Weimar nur ein 25-Meter-Becken zu bieten hat. 

Auf diese Art und Weise komme ich ganz gut voran und freue mich auf jede Trainingseinheit, die immer mit einem Sprung über den eigenen Schatten beginnt. Nichtsdestotrotz erwische ich mich gerade in diesem Jahr oft bei der Versuchung, eine Pause einzulegen, was an die folgende Frage anknüpft. 

sporttaucher: Du schwimmst und tauchst in diesem Jahr einen Rekord nach dem anderen. Wie motivierst du dich in dieser – deiner letzten Jugend – Saison, nachdem du erfahren hast, dass der Verband keine Mannschaft zu den Jugendeuropameisterschaften entsenden wird?

Justus: Mir und damit auch anderen deutschen Athleten wurde (teils nachvollziehbar) dieses Jahr die in meinem Fall letzte Chance genommen, international im Jugendbereich mit Ausnahme von Worldcups einen Saisonhöhepunkt zu setzen. Somit ging die Hoffnung auf eine eventuelle Medaille in Istanbul verloren. Durch eine Mail. Einfach verpufft. Aufgelöst. Verschenkt an Andere. Umso mehr reizte es mich, Spitzenleistungen schon im Frühjahr abzurufen und damit, wenn schon nicht im Jugendeuropameisterschaftsprotokoll, mich wenigstens in der Rekordliste zu verewigen. Auch wenn Rekorde dazu geschaffen sind, gebrochen zu werden und das werden sie auch, bleibt hoffentlich jemand, der zeitweise vier DJR hielt in Erinnerung. Aber es ist nicht nur das. Motivation geschieht teilweise ganz von selbst. Konkurrenten, vor allem national, pushen sich gegenseitig durch Kämpfe gegen die Zeit. Es ist wahnsinnig, wie sehr es schmerzen kann, zu verlieren und trotzdem noch Spaß macht. Solche Momente lassen sich nicht ersetzen. Genauso wie eine verlorene JEM.

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