DIE GLOCKE

Mårten Triewald (1691-1747) 

Die Geschichte ist voll von interessanten Menschen, die Entscheidendes zur Entwicklung des Tauchens beitrugen. So auch Mårten Triewald, der sich auch mit Taucherglocken und Unterwasserarbeiten beschäftigte, eine Bergungsgesellschaft gründete und zu diesem Thema zwei Bücher schrieb.

Am 18. November 1691 kam Mårten Triewald als zweiter von vier Söhnen der Familie Martin und Brigitta Triewald in Stockholm auf die Welt. Die Triewalds waren einige Jahre zuvor aus Sachsen nach Schweden übergesiedelt. Hier avancierte der Vater zu einem erfolgreichen Schmied, wurde später Meister in der Gilde der Schmiede. Sein Sohn Mårten besuchte die deutsche Schule in Stockholm, die er 1705 verließ. Danach arbeitete er vermutlich als Buchhalter in der englischen Niederlassung eines Handels­unternehmens von Samuel Worster. 1713 verließ Mårten Triewald die Firma und ging als Kaufmann nach Königsberg. Drei Jahre später siedelte er nach England über – und verlor durch Schiffbruch sein gesamtes Hab und Gut. Praktisch ohne ein Penny erreichte er London, fand aber Unterstützung durch den schwedischen Kapitän Robert Dickerson.
Triewalds Aufenthalt in England sollte fast zehn Jahre dauern. Er wurde bei dem Kaufmann Rodley eingestellt und noch 1716 zum Inspektor über dessen Steinkohlebergwerke in Newcastle ernannt. Dort eignete er sich Kenntnisse über Dampfmaschinen an, deren Kraft zur Wasserstands­regulierung und Kohleförderung genutzt wurden. Er reiste viel durch das Land, um sich all die technischen Neuheiten Englands anzusehen. In London begegnet er auch Edmund Halley. Triewald wird Zeuge der Tauchversuche von Halley und sieht in ihm später einen „Freund und Patron“ (The Art of Living Under Water, VIII, § 1)Bis zu seiner Heimkehr nach Schweden im Jahr 1726 hatte er die Maschinen in den englischen Kohlegruben immer wieder verbessert. Auch in Schweden setzte er seine Kenntnisse ein. In den Eisenerzgruben von Dannemora ließ er Schwedens erste Dampfmaschine bauen, die der Wasserstands­regulierung diente. Im März 1726 gründete Triewald in Schweden mit seinen Partnern T. Ankarcrona, E. Clewe und Lt. A. Rautell eine Bergungsgesellschaft (Northern Diving and Salvage Society) und erwarb für fünf Jahre die alleinigen Tauch- und Bergungsrechte in großen Teilen des damaligen schwedischen Hoheitsgebietes. Triewald baute eine mit Blei verkleidete hölzerne Taucherglocke, 1,8 Meter hoch und unten 1,2 Meter weit und mit Blei und Eisen beschwert. Zwei ebenfalls beschwerte „Luftgefäße“ mit einem Volumen von je 175 Liter sollten die Luftauffrischung sichern. Dazu gesellt Triewald einen Schleppkahn und allerlei Bergungsgeräte und Werkzeuge. Seine „Diving-Company“ ist einsatzbereit – und wartet vergeblich auf Aufträge. Noch im gleichen Jahr hilft Mårten Triewalds Northern Diving and Salvage Society der schwedischen Admiralität, die vor Waxholmen und angesichts hunderter von Zuschauern havarierte neue königliche Fregatte wieder flottzumachen. Viel Ehr, aber kaum Geld! 1729 heiratete er Anna Margaretha Brand. Im November demonstriert er in Stockholm im Mälaren schwedischen Parlamentsmitglieder seine Taucherglocke. Die idyllische Umgebung dort schien ihm gefallen zu haben, denn er lässt sich in Marienberg am Malären einen Hof bauen, der noch heute existiert. In den Jahren 1728 und 1729 hielt er Vorlesungen in Physik und Mechanik im Riddarhuset, die auch einige Ratsherren und Reichsräte hörten. Das Riddarhuset ist das Versammlungshaus (Ritterhaus) des schwedischen Adels in Stockholm. 1729 wurde Triewald zum Mitglied der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Uppsala ernannt und erlangte wenig später auch Zugang zur Royal Society in London.  Im Herbst 1730 und im Juni 1731 stellte Mårten Triewald seine Tauchertechnik erneut der Öffentlichkeit vor. Der erfahrene Taucher Johann Been und zwei Lehrlinge steigen bis in 27 Meter Tiefe ab. 1732 entwickelte Mårten Triewald eine neue Taucherglockenkonstruktion, kleiner, nur 1,2 Meter hoch (praktisch ein überdimensionaler Taucherhelm) und aus Kupfer gebaut. Ein Rohr windet sich spiralförmig vom unteren Drittel an der Glockenwand empor und endet in einem Mundstück, aus dem der Taucher atmet. Die frischere und durch die Schlange gekühlte Luft aus der unteren Glockenhälfte soll die „Luftgefäße“ überflüssig gemacht haben. Triewalds Idee wird 1736 in den Londoner Philoso­phical Transactions veröffentlich. 1734 publiziert Mårten Triewald sein „Konsten at lefwa under Watn“, nach Fardell und Phillips (2004) in ihrer englischen Ausgabe „das beste und detaillierteste Buch über Bergungen durch Taucher“, dass bis zum Ende des 18. Jahrhundert geschrieben wurde.In Stockholm erscheint 1741 im Verlag von P. J. Nyström Mårten Triewalds letzte Arbeit zum Thema Tauchen, sein Buch „Plägning til Konsten at Lefwa under Watn“. Es ist – auch in seiner Gliederung – eine Fortsetzung des ersten Buches von 1734 und zeigt in schönen Kupferstichen Werkzeuge für Unterwasser­arbeiten und beschreibt ihre Benutzung. Am 9. August 1747 stirbt Mårten Triewald im Alter von 56 Jahren in Stockholm. 

Weitere Infos:
Tauchgeschichte Spezial 18/2020, S. 7-10

Unser Autor:
Norbert Gierschner
Herausgeber & Verleger Tauchgeschichte spezial







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