TAUCH MIT!

Das erste archäologische VDST-Tauchcamp am Walchensee 


Walchensee – die Gedanken vieler Taucher kreisen um fantastische Sichtweiten, funkelndes türkis-grünes Wasser oder Flugzeug- und Autowracks. Grund genug, dort ein erstes archäologisches Tauchcamp zu organisieren

Oktober 2018
Die zehn Teilnehmer kamen aus Deutschland, Österreich und sogar aus Ägypten. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sie sich am Ufer, um beim ersten archäologischen Tauchcamp am Walchensee dabei zu sein. Bei dem Camp handelt es sich um den fünftägigen VDST-Spezialkurs „Unterwasserarchäologie II“, der die Kenntnisse aus den vorangegangenen Kursen vertiefen sollte. Schwerpunkte waren die berührungslose Dokumentation eines Objekts mithilfe einfacher Vermessungs- und Zeichentechniken, Foto- und Videodokumentation sowie das anschließende Verfassen eines umfangreichen Berichts mit eigenständiger Recherche. Fünf Tage lang betauchten die Kursteilnehmer ein unbekanntes kleines Holzwrack in 40 Metern Tiefe sowie schwerpunktmäßig die Reste eines britischen Lancaster-Bombers in zehn bis 30 Metern Tiefe und dokumentierten im Anschluss beides archäologisch. 


Abstieg
Wollt ihr die Lancaster aus nächster Nähe sehen? Ein Kurzfilm und der Prospektionsbericht erzählen die Geschichte der Ausbildungstauchgänge.



Fotos: Dr. Florian Huber


Angriff der Lancaster-Bomber 
Am zweiten Oktober 1943 flog die britische Lancaster mit siebenköpfiger Besatzung von England aus in Richtung ihres ersten Einsatzes, der ein Nachtangriff auf München sein sollte. Wie bei vorherigen Angriffen auch sammelten sich die Bomber über dem „Fünf-Seen-Land“ südlich der bayerischen Landeshauptstadt. Die Seen boten den Alliierten gute Orientierungspunkte, um von dort aus ihren Angriff auf die verdunkelte Stadt München zu beginnen. Und so trafen sich dort gegen 23.30 Uhr 273 englische Flieger, um kurz drauf 958 Tonnen Bomben über Bayerns Hauptstadt abzuwerfen. Doch an diesem Abend waren auch deutsche Nachtjäger aktiv, denen es gelang, fünf Bomber abzuschießen. Auch die Lancaster erhielt mehrere schwere Treffer. Zwei ihrer vier Motoren fielen aus, und sie verlor rasch an Höhe. Die brennende Maschine flog durch das Jachenau-Tal in westlicher Richtung und stürzte in die Niedernacher Bucht im östlichen Teil des Walchensees. Es gab keine Überlebenden.

Aufstieg
Wollt ihr archäologisch arbeiten? Auch 2019 sind wieder Kurse am Walchensee und an der Ostsee geplant. Infos dazu gibt es auf der VDST-Website oder unter www.florian-huber.info


Das Wrack heute 
In den 50er-Jahren ließen die englischen Behörden die meisten Teile des Bombers bergen, dennoch liegen noch Bauteile im See – durch den damals heftigen Aufprall weit verstreut. Diese Teile zu finden, zu dokumentieren, zu identifizieren und so eventuell mehr über den exakten Absturz herauszufinden, war Teil des diesjährigen Kurses. Dabei sollten sich die Teilnehmer eigenständig organisieren, die Tauchgänge in kleinen Teams sicher und dennoch effizient durchführen, alle Beobachtungen niederschreiben und das Gesehene zeichnen und fotografieren. Rund 70 mal tauchten die hochmotivierten Teilnehmer hinab zu den Resten der Lancaster. Später markierten sie die mit Bojen gekennzeichneten Funde mittels GPS, erstellten eine Karte der Absturzstelle und werteten diese aus. Zuletzt legten sie den sogenannten Prospektionsbericht vor. Das war viel Arbeit, die aber allen Beteiligten sichtlich Spaß brachte und das Verständnis für das militärhistorische Erbe unter Wasser, für Archäologie und Geschichte weiter gefördert hat. 


Unser Autor:
Dr. Florian Huber
Unterwasserarchäologe, Herausgeber mehrerer Bücher
www.florian-huber.info



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