WAHL HEIMAT

Wer Wale erleben will, muss nicht weit reisen:  Whale-Watching in der Kieler Förde


Leicht bewölkt, kaum Wind, tausende Heringe in der Kieler Förde und das Wasser glatt wie ein Spiegel – „Schweinswal-Wetter“ nennen das meine Frau Simone und ich. Wann immer es geht, schnappen wir uns dann das Boot und fahren raus, um die 70 bis 90 Kilo schweren Tiere zu sehen. Klar, etwas Übung gehört dazu, schließlich sind Schweinswale nur schwer auszumachen: Die in der Ostsee heimischen Meeressäuger sind im Schnitt nur etwa 1,60 Meter lang und zeigen an der Oberfläche häufig nur ihre Rückenfinne. Oft ist es das Atemgeräusch, das sie verrät. Der Blas klingt so, als würde jemand einen Hickser durch die geschlossenen Lippen pressen. Wer richtig Glück hat, sieht die Wale aber auch minutenlang auf den Bugwellen von Segelbooten reiten oder sogar aus dem Wasser springen. Ein eigenes Boot ist dabei zur Beobachtung nicht unbedingt notwendig. Günstiger als jede Whale-Watching-Tour auf der Welt ist die Fahrt mit dem Kieler Hafendampfer. Wo genau die letzten Meeressäuger entdeckt wurden, zeigt zeitnah eine Beobachtungsapp des Meeresmuseums Stralsund. „Und was ist mit Tauchen, ist das auch möglich?“,  werde ich häufig von Sporttauchern gefragt. Ich halte es dann mit der Antwort, wie Radio Eriwan: „Im Prinzip ja, aber…. !“ Grund: Die Kieler Bucht ist eines der am meist befahrenen Schifffahrtsreviere der Welt und natürlich gibt es in einigen Bereichen Tauchverbote, die beachtet werden müssen. Die entscheidende Frage aber lautet: „Haben die Schweinswale überhaupt Lust auf einen gemeinsamen Tauchgang?“ Meine Antwort nach ungezählten Versuchen und langer Recherchearbeit: „Nein!“ Begründung: Mit ihrem Sonar orten die Meeressäuger jeden Taucher, bevor der die Tiere bei Unterwasser-Sichtweiten von maximal zehn Metern erahnen kann. Das konnte ich eindrucksvoll im „Fjord- und Belt Center“ auf der dänischen Insel Fünen erleben. Dort wird an Schweinswalen geforscht. Sobald ein Fremdkörper in das Wasser kommt, ist über das Unterwasser-Mikrofon ein wahres „Feuerwerk“ an Sonarwellen zu hören. Im Gegensatz zu Delfinen sind Schweinswale aber nicht neugierig und kommen näher, sondern schwimmen davon. Zwar sind Delfine in der Kieler Förde noch eher seltene Gäste, der eine oder andere Große Tümmler hat sich dorthin aber auch schon für eine Stippvisite verirrt. Ein Tauchgang mit ihnen ist dann relativ problemlos möglich. Die Delfine schienen sich bei meinen Ausflügen sogar über den Besuch zu freuen. Und da die Tiere mittlerweile in dänischen Gewässern regelmäßig auftauchen, gehen Meeresbiologen inzwischen davon aus, dass Delfine in Zukunft auch an der deutschen Ostseeküste häufiger zu Gast sind.

Und was ist nun mit Schweinswalen? Keine Chance, sie auch mal vor die Tauchermaske zu bekommen? Doch, natürlich: an Wracks zum Beispiel! Überall dort, wo es viel Fisch gibt und Taucher nicht sofort von Schweinswalen geortet werden können, ist eine Begegnung möglich. Bei solch einem spontanen Treffen ist mir dann aber vor Erstaunen schon fast der Lungenautomat aus dem Mund gefallen. 


Schweinswale
Der Gewöhnliche Schweinswal ist die einzige in der Ostsee vorkommende Walart. Unterschieden werden zwei getrennte Populationen – die eine von Dänemark bis Fehmarn mit mehreren tausend Tieren, die andere von Mecklenburg-Vorpommern bis Polen mit nur wenigen hundert Walen. Im dänischen Kerteminde läuft ein Forschungsprojekt über Schweinswale. Das dortige Fjord-und Belt Center steht Besuchern offen. Das Meeresmuseum Stralsund betreut eine App, mit der Sichtungen von Meeressäugern positionsgenau festgehalten werden.
Weitere Infos: Meeresmuseums Stralsund





Unser Autor:
Fin Walden
VDST-Direktmitglied,
Hörfunk- und Fernsehjournalist mit 25 Jahren Taucherfahrung




weitere Infos: Fjord und Belt-Center


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