DER PIONIER

Er war der Kameramann auf der Xarifa und hat das Abenteuer Tauchsport in unsere Wohnzimmer gebracht – Kurt Hirschel


Kurt Hirschel arbeitete zunächst als Ingenieur bei Arnold & Richter (ARRI), einem großen Anbieter von Kinofilmausrüstung mit Sitz in München. Dort traf er Anfang 1953 erstmals Hans Hass, als der sich im Unternehmen aufhielt und eine Kameraausrüstung für seine nächste Expedition zusammenstellte. Dass das Treffen noch folgenschwer für ihn und sein späteres Leben werden sollte, ahnte Hirschel noch nicht. Hass fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, auf der Xarifa als Bordingenieur, Kameramann und Fotograf anzuheuern. Dieses verlockende Angebot konnte Hirschel nicht ablehnen. Im Juli 1953 erhielt er seinen Arbeitsvertrag von Hass, mit 400 Mark Monatsgehalt, und bereits Ende August lief das Schiff von Hamburg aus. Die beiden Fahrten der Xarifa  und die dabei entstandenen Filme Unternehmen Xarifa sowie die Serie „Expedition ins Unbekannte“ sind inzwischen Legende. Unter anderem erlebte eine neuartige Unterwasserfernsehkamera auf einer Malediveninsel ihre Geburtsstunde. Die beiden Expeditionen begründeten den Ruf von Kurt Hirschel als Pionier des wissenschaftlichen Naturfilms. Aber nicht nur hinter der Kamera leistete Hirschel Großartiges, sondern auch in seiner Funktion als Bordingenieur. Auch wenn sich die Aufgabenstellung als schwierig und kompliziert darstellte, Hirschel löste selbst die heikelsten Probleme. Besondere Hilfsmittel wurden kurzerhand in Eigenregie gefertigt. Hass bezeichnete Hirschel einmal als seinen wertvollsten Mitarbeiter: „Während die anderen abends in ihren Betten Kriminalromane lasen, studierte er Schaltpläne“. Die Filmarbeit mit und für Hans Hass ging für Kurt Hirschel nach dem Verkauf der Xarifa zu Ende und er wurde als Kameramann vom Süddeutschen Rundfunk Stuttgart übernommen. Ein Mann mit so vielen Jahren Dreherfahrung im Ausland, unter den widrigsten Bedingungen, fand hier bis zu seinem „Ruhestand“ 1990 einen festen Arbeitsplatz. In dieser Zeit entstanden unendlich viele erstklassige Beiträge mit Kurt Hirschel als Kameramann. Ende der 1960er Jahre drehte Hirschel einen großen Teil der Filme zu „Stern‘s Stunde“ mit dem Wissenschaftsjournalist, Filmemacher und Schriftsteller Horst Stern, einem der Väter des Naturschutzes. Die einzigartigen Dokumentationen „Bemerkungen über die Spinne“ und „Leben an seidenem Faden“ sowie der atemberaubende Film „Bemerkungen über den Rothirsch“ entstanden. Für die sensationellen Nahaufnahmen im Reich der Spinnen synchronisierte Kurt Hirschel mit seiner Filmkamera eine Vielzahl von Elektronenblitzen. So war es ihm möglich, ohne störende Hitzeentwicklung extreme Makroaufnahmen in Zeitlupeneinstellung zu bannen. In seinem Wohnort Oberriexingen bei Stuttgart betrieb Hirschel auch nach seinem Berufsleben sein „Labor für wissenschaftlichen Film“ weiter. Hier entstanden unter vielen anderen 50 biologische Lehrfilme. Dem Tauchen blieb Kurt Hirschel auch nach den Xarifa -Expeditionen viele Jahre als Mitglied der Sporttaucher Gemeinschaft Schwaben e. V. (sgs) und damit auch dem VDST verbunden. Für seine Werke erhielt Kurt Hirschel zahlreiche Auszeichnungen und Filmpreise. Bei dem Naturfilmfestival „Biovision“ im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf 1996 erhielt er den „Hans Hass Filmpreis“ für den Film „Lebendes Licht“ (Regie gemeinsam mit Volker Arzt und Heinz von Matthey). Der ausgezeichnete Streifen behandelte eine faszinierende Expedition in das geheimnisvolle Reich der Leuchtfische und der Mangrovenglühwürmchen. Mit einer speziellen Nachtsichtkamera dokumentierte er das sogenannte „Meeresleuchten“ und erstmals auch den „Taschenlampenfisch“, sowie kleinste Leuchtkrebse. Bei der NaturVision 2015 in Ludwigsburg wurde Hirschel für sein Lebenswerk ausgezeichnet.  Mit seinen einzigartigen Aufnahmen schrieb Kurt Hirschel Naturfilm- und Fernsehgeschichte.


Unser Autor:
Michael Jung
Direktor Hans Hass Institut







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