DER LETZTE TAUCHGANG

Ein Wuppertaler Bestatter bietet Tauchbestattungen an, bei denen Taucher die Urne mit der Asche des Verstorbenen bis zum Gewässergrund auf seinem letzten Tauchgang begleiten können. Das Gespräch mit Inhaber Arne Zocher und TL Michael Beckemeier führte Gerd-Thomas Hegemann vom TSC Langenberg.

Gerd-Thomas Hegemann: Arne, dein Unternehmen Zocher Bestattungen besteht in Wuppertal seit über 100 Jahren und du führst es in vierter Generation. Seit etwa zehn Jahren habt ihr Fluss- und Tauchbestattungen in euer Angebot aufgenommen. Wie kam es dazu?

Arne Zocher: Wasser war immer mein Element, durch ein Boot und das Angeln. Vor einigen Jahren kam ein älteres Ehepaar zu mir und fragte sehr salopp, ob ich „den Alten nach seinem Tod nicht in die Maas kippen könnte“. So kamen wir zu den Flussbestattungen. Und einer meiner Mitarbeiter war und ist Taucher. Aus dieser Kombination entwickelte sich die Idee der Tauchbestattungen.

GTH: Was ist das Besondere an Fluss- und Tauchbestattungen, und welches sind die Zielgruppen eures Angebotes?
Arne: Seebestattungen gibt es ja schon lange, aber es gibt eben auch Leute, die sich eher mit Süß- als mit Salzwasser verbunden fühlen – durch Hobby, Beruf, Wohnort oder Lebenseinstellung, also zum Beispiel Taucher und andere Wassersportler, aber auch Binnenschiffer. Die können wir durch diese Bestattungsart ihrem bevorzugten Element für die Ewigkeit zuführen.

GTH:  Michael, du bist ausgebildeter Bestatter und CMAS-Tauchlehrer. Wie bist du zu dieser ungewöhnlichen Kombination gekommen? 
Michael Beckemeier: Ich stamme aus einer Bestatterfamilie in Norddeutschland, und unser Schwerpunkt waren Seebestattungen. Bei der Marine war ich Taucher, und nach der Rückkehr ins zivile Leben lag es nahe, beides zu kombinieren.


GTH:  Wie genau verläuft eine Flussbestattung? Und wie eine Tauchbestattung?
Michael: Zunächst einmal wie eine ganz normale Bestattung mit Einäscherung usw. Dann werden mit der Familie die gewünschten Einzelheiten besprochen. So kann es z.B. an Bord eine Trauerrede geben. Bei der Flussbestattung wird dann die Urne mit einem Seil zu Wasser gelassen, während die Familie an der Reling steht. Das Schiff umrundet die Stelle dann langsam ein paarmal. Bei der Tauchbestattung machen sich die Taucher an Bord tauchfertig und bringen die Urne gemeinsam mit mir an den Gewässergrund in fünf bis zehn Meter Tiefe. Dort wird dann noch kniend innegehalten oder die Urne tauchend umkreist. Der Tauchgang dauert regelhaft etwa 20 bis 30 Minuten. Nicht gewässerschädigende Gegenstände können gegebenfalls mitgegeben werden. Nach der Bestattung kann es an Bord oder in einem Restaurant am Anleger einen Umtrunk, ein gemeinsames Kaffeetrinken oder Essen geben, von einfach bis aufwendig – je nach Wunsch.

GTH: Arne, habt ihr eigene Schiffe oder chartert ihr sie? Wie sind die ausgestattet?
Arne: Wir verfügen über eine Charterflotte auf den verschiedenen Gewässern und kennen jedes Schiff aus eigener Anschauung. Dabei wählen wir nicht die billigsten, sondern die besten und gepflegtesten Schiffe, um der Bestattung einen würdevollen Rahmen zu verleihen. Es sind alles vollausgerüstete, sichere Fahrgastschiffe mit Küche, Restaurant, Salon, Toiletten usw. Einige sind sogar vollständig barrierefrei.

GTH: Michael, du bist für das Taucherische verantwortlich. Welche Voraussetzungen müssen Leute mitbringen, die aktiv an der Tauchbestattung unter Wasser teilnehmen möchten – und (wie) wird das überprüft?
Michael: Wir sind ja nicht nur eine schwimmende Trauerkapelle, sondern auch eine schwimmende Tauchbasis. Und wie auf jeder Tauchbasis müssen die Taucher ein entsprechendes Brevet nachweisen, eine gültige Tauchtauglichkeitsuntersuchung haben und auch über zeitnahe Taucherfahrung in heimischen Gewässern verfügen. Wer vor zehn Jahren das letzte Mal auf den Malediven getaucht hat, den nehmen wir nicht mit. Außerdem muss die Ausrüstung dem Gewässer angepasst sein. Das kontrollieren wir selbstverständlich spätestens vor dem Tauchgang.

GTH: Könnt ihr ggf. auch Leihausrüstungen zur Verfügung stellen?
Michael: Ja, wir arbeiten mit Tauchshops zusammen und können dort Ausrüstungen leihen. Bei Anzügen ist das nicht immer ganz leicht, aber die meisten der brevetierten Taucher haben ohnehin eine eigene Ausrüstung.

GTH: Arne, was für eine Urne wird verwendet? Ist sie aus Gestein und bleibt für die Ewigkeit auf dem Gewässergrund stehen, oder löst sie sich im Wasser auf? Wenn Letzteres gilt, nach welcher Zeit etwa?
Arne: Wir verwenden nur Urnen aus Zellstoff, die sich nach drei bis zehn Stunden vollständig auflösen und die Asche freigeben.

GTH: In welchen Ländern der Welt könnt ihr solche alternativen Bestattungsarten anbieten? Geht das auch in Deutschland, und von wo starten die Schiffe? Viele Taucher aus NRW haben zahlreiche Tauch-Kurzurlaube in Zeeland in den Niederlanden unternommen. Könnten sie auch dort bestattet werden, im Grevelinger Meer oder in der Oosterschelde?
Arne: Fluss- und Tauchbestattungen sind in deutschen Binnengewässern nicht erlaubt. Daher weichen wir meist auf die Niederlande aus, vornehmlich auf die Nebenseen der Maas, bei Flussbestattungen auch auf den niederländischen Teil des Rheins. Da ist man aufgrund der geringen Entfernung am selben Tag wieder zuhause. Die Schiffe dafür starten von Rees oder Emmerich. Aber auch in Zeeland sind Tauchbestattungen möglich. Tauchbestattungen können wir grundsätzlich weltweit anbieten, z.B. im Mittelmeer oder Ägypten. Aber dabei sind der organisatorische Aufwand und die Kosten für Anreise und Unterkunft natürlich ungleich höher. In Deutschland können wir Tauchbestattungen in der Nord- und Ostsee durchführen, aber auch das geht von NRW aus kaum ohne Übernachtung.

GTH: Kann ich schon zu Lebzeiten festlegen, dass ich eine Tauch- oder Flussbestattung wünsche, und wie kann ich sicherstellen, dass ich sie auch bekomme? 
Arne: Ja, das ist möglich. Der Vorteil ist, dass die Bestattung genau nach meinem Wunsch verläuft und die Hinterbliebenen in der Ausnahmesituation nach dem Tod davon befreit sind, entsprechende Entscheidungen treffen zu müssen. Dazu muss ein Vorsorgegespräch geführt und ein Vorsorgevertrag abgeschlossen werden. Darin kann vom Bestattungsplatz bis zum Käsekuchen alles festgelegt werden. Dieser Vertrag enthält auch eine Kostenschätzung. Sinnvoll ist es, den Vertrag etwa alle fünf Jahre zu überprüfen, um auf eventuell Kostensteigerungen reagieren zu können. Man kann die Kosten den Hinterbliebenen überlassen, aber auch eine Sterbeversicherung abschließen oder im Voraus eine Einmalzahlung an die Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG leisten, bei der das Geld sicher für diesen Zweck verwahrt wird.

GTH: Auch wenn das vermutlich nur ungenau zu beantworten ist: Was kosten eine Fluss- und was eine Tauchbestattung etwa? 
Arne: Natürlich ist das sehr stark von den individuellen Wünschen abhängig: Soll es Frikadellle mit Pommes oder ein gutes dreigängiges Menü geben? Mineralwasser oder Champagner? Wie viele Personen nehmen teil? Als Richtwert kann man etwa sagen, dass eine Flussbestattung zwischen 3.500 und 5.000 Euro kostet, eine Tauchbestattung um die 6.500 Euro. Das ist etwa vergleichbar mit einer Urnenbestattung an Land und billiger als eine klassische Erdbestattung, die ab etwa 8.000 Euro kostet.

Weitere Infos: www.flussbestattungen.de

Unser Autor:
Gerd-Thomas Hegemann
VDST-TL 2/961“ taucht seit mehr als 40 Jahren.






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