KARPFEN ALS STÖRENFRIED

Unerwartete Folgen des Tauchsports für die Unterwasser-Welt


Sporttauchen als Natursport zu etablieren ist seit Langem ein Ziel des Verbandes Deutscher Sporttaucher (VDST). Mit dem Spezialkurs „Tauchen für den Naturschutz“ und der Kooperation mit dem NABU ist man diesem Ziel deutlich nähergekommen. Ein Seepächter in Nordrhein-Westfalen, der diesem Anspruch seit Jahren gerecht wird und seit 2019 eine Kooperation mit der Naturschutzgruppe Niederrhein unter Leitung des Süßwasser-Biologen Dr. Markus Eßer pflegt, ist Alfred Vinmans vom Goldberger See in Dormagen, Kreis Neuss. Wenngleich der See mit einer Größe von 24 Hektar nicht unter die Berichtspflicht der Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL) fällt, die erst ab einer Gewässergröße von über 50 Hektar Gültigkeit erlangt, findet im Goldberger See seit 2019 ein jährliches Monitoring statt, bei dem die Gewässergüte des Sees nach dem Makrophytenindex bestimmt wird. Was sich hier über die Jahre abgebildet hat, kann als Paradigmenwechsel im Tauchsport ansehen werden. In dem Bereich, in dem getaucht wird, sind dichte Armleuchteralgen-Wiesen ausgeprägt, die Makrophyten gedeihen hier bis in eine Tiefe jenseits der 13 Meter. Direkt am Ende der Tauchstrecke beginnt die Anglerzone und in dieser Zone sind die Armleuchteralgen auf ein Minimum reduziert. Stattdessen stehen dort Wälder des Rauen Hornblattes (Ceratophyllum demersum) und Nutalls Wasserpest (Elodea nutallii), den beiden Hypertrophierungsanzeigern für „Natürliche eutrophe Seen mit Armleuchteralgenbewuchs“, in diesem Bereich endet der Bewuchs bei ungefähr acht Metern. Die beiden Pflanzen sind „Störanzeiger“, dies bedeutet, dass diese beiden Pflanzen hohe Nährstoffgehalte anzeigen, sie sind also Zeigerpflanzen. Dort sinkt die Sicht um einige Meter, in den Wäldern sind Nebelschwaden und der Boden ist mit Wühlschäden überzogen. Warum dies so ist? In der Angelzone werden die Karpfen angefüttert, die hier ihr Zerstörungswerk verrichten, durch das ständige „Umwühlen“ des Gewässergrundes werden die Grundrasen aus Armleuchteralgen zerstört. Zudem findet durch das Anfüttern der Karpfen eine  „Düngung“ des Gewässers statt. In der Tauchzone werden die Karpfen (und Schleien) als eher scheue Zeitgenossen durch die Präsenz der Taucher verdrängt und dies ist dann die Voraussetzung für das Gedeihen der Armleuchteralgenwiesen. Dieser Trend wird durch das jährliche Monitoring im Rahmen des Citizen-Science-Projektes „Tauchen für den Naturschutz“ deutlich angezeigt, die bodenwühlenden Fische stellen für das Gewässer eine deutlich stärkere Störung als die Taucher dar. Also, auf zum Goldberger See und Tauchen für den Naturschutz.

Unser Autor:
Dr. Markus Eßer
TL**/2230 VDST-Umweltausbilder, TSV NRW







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