NEURO CHECK

Der neue NeuroCheck für Taucher im VDST soll das Erkennen eines schweren Tauchunfalls erleichtern






Nach einem Tauchgang von 38 Meter Tiefe auf Malta fühlt sich Marco zunächst wohl. Nur wenige Stunden später beim Abendessen stellt er fest, dass sich sein rechter Unterarm etwas „pelzig“ anfühlt. Beim Essen bemerkt er zudem eine leichte Ungeschicklichkeit mit der rechten Hand. Da ansonsten keinerlei weitere Beschwerden aufgetreten sind und er sich wohl fühlt, misst er dem zunächst keine Bedeutung bei. Am nächsten Morgen hat er keine Beschwerden und nimmt an einem Bootstauchgang auf nur 20 Meter teil. An die Ereignisse des Vorabends denkt er nicht mehr. Marco genießt den problemlos verlaufenden Tauchgang. Nach dem Auftauchen stellt er auf dem Tauchboot fest, dass er mit seinem rechten Arm nicht mehr richtig heben kann und mit der rechten Hand nicht kraftvoll zugreifen kann. Sein rechter Arm fühlt sich jetzt plötzlich schwer an, er kann ihn nur mit Mühe in der Luft halten. Folgerichtig bekommt Marco auf dem Tauchboot Sauerstoff. Die Weiterleitung an das nächste Krankenhaus und die Druckkammer vor Ort erfolgt zügig. Marco atmet die ganze Zeit Sauerstoff. Beim Eintreffen im Krankenhaus sind die Beschwerden bereits ein wenig besser. Im Druckkammerzentrum wird eine Druckkammertherapie begonnen und Marco erhält an den folgenden Tagen weitere Behandlungen. Die Beschwerden bilden sich in der Folge bis auf eine nur noch selten bemerkte leichte Ungeschicklichkeit der rechten Hand vollständig zurück. Nach seiner Rückkehr in Deutschland werden bei Marco im MRT kleinere Flecken im Rückenmark festgestellt.

Fazit: Fälle wie der von Marco sind in der Hotline immer wieder zu erfahren. Nicht das Nichtwissen, eher das Nicht-Wahrhaben-Wollen führt nicht selten dazu, dass Symptome eines Tauchunfalls auch trotz einer guten Tauchausbildung nicht als solche erkannt werden. Die Beschwerden am ersten Abend waren nur gering ausgeprägt, aber bereits erste Anzeichen eines schweren Tauchunfalls. Tauchunfälle mit neurologischen Symptomen sind immer schwer und müssen unverzüglich mit einer Sauerstoffgabe und Druckkammerbehandlung therapiert werden. Ein NeuroCheck wurde in diesem Fall nicht durchgeführt. Wäre dies beim Auftreten der ersten Beschwerden erfolgt, wäre der Tauchunfall möglicherweise rascher erkannt und behandelt worden und man hätte damit auch die Verschlechterung durch fortgesetztes Tauchen vermieden.


Unser Gastautor:
Dr. Johannes Meyn
Neurologe, Taucharzt, VDST-Hotlinearzt








Neurocheck für Taucher
Bei Tauchunfällen ist das Nervensystem durch die Folgen von Stickstoffübersättigung, Blasenbildung und Gasembolien besonders häufig beteiligt. Neurologische Symptome sind Symptome, die durch Störungen der Funktion des Nervensystems entstehen. Sie sind bei Tauchunfällen daher besonders häufig und können dabei von Bewusstseinsstörungen über Verwirrtheit, Sehstörungen, Lähmungen, Empfindungsstörungen, Koordinationsstörungen und Gangunsicherheit reichen. Weitere Symptome sind aber ebenfalls möglich. Neurologische Symptome sind immer Zeichen eines besonders schweren Tauchunfalls.

Aufgrund des häufigen Vorkommens neurologischer Symptome ist bei Verdacht auf einen Tauchunfall immer eine neurologische Untersuchung durch medizinisches Personal erforderlich. Eine bereits durch den Ersthelfer durchgeführte neurologische Untersuchung ist durchaus machbar und kann sinnvoll sein. Dies kann helfen, neurologische Symptome zu erkennen oder deren Entwicklung zu beobachten. Die bisher verbreiteten „Neurochecks“ zur neurologischen Untersuchung sind für Laien aber zu umfangreich und in Teilen für diese nicht beurteilbar. Der VDST-Medizinbereich sah es daher für notwendig, den Check zu überarbeiten und entwarf den neuen NeuroCheck für Taucher.  Er soll einfacher und schneller durchführbar sein und bietet zudem die Möglichkeit, alle Untersuchungsschritte, mit Ausnahme des letzten Untersuchungsschritts, im Liegen durchzuführen.

Wichtig ist aber, dass die Anwendung eines NeuroCheck die Einleitung der Rettungskette und die Behandlung des Tauchunfalls nicht verzögert. Besteht der konkrete Verdacht auf einen Tauchunfall, so sind die Sauerstoffgabe, die Verständigung des Rettungsdienstes und die Herz-Lungen-Wiederbelebung, sofern erforderlich, immer vordringlich. Ist aber Zeit, um den Check durchzuführen, so kann er zur Dokumentation von Tauchunfallsymptomen ausgesprochen hilfreich sein, insbesondere da sich die Symptome unter einer Sauerstoffatmung rasch ändern oder zurückbilden können und diese Symptome durch spätere Untersuchungen eventuell nicht mehr erfasst werden würden. Daher ist es sinnvoll, den NeuroCheck erstmals unmittelbar nach Einleitung der Sauerstoffgabe durchzuführen und in einem Intervall von cirka 30 Minuten zu wiederholen. 

Zusammenfassung:
Der NeuroCheck für Taucher ist eine neue neurologische Laienuntersuchung, die helfen soll, neurologische Symptome bei Tauchunfällen zu erkennen und in ihrem Verlauf zu beobachten. Die Durchführung des NeuroCheck für Taucher kann von Laien relativ einfach erlernt werden. Er wird in die Medizinseminare des VDST aufgenommen und wird im VDST die bisherigen Neurochecks ersetzen. Ein unauffälliges Testergebnis schließt einen Tauchunfall aber keinesfalls aus. Bei neuen Beschwerden in zeitlichem Zusammenhang mit dem Tauchen muss immer von einem möglichen Tauchunfall ausgegangen und entsprechend gehandelt werden. Die Notfallhotline des VDST steht dabei 24/7 zur Beratung bei Verdacht auf einen Tauchunfall bereit. 




Neurocheck:

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