ROBBEN TREFF

Sie sind verspielt und neugierig: Robben. Doch auch wenn wir nicht auf ihrer Speisekarte stehen, ist Respekt angesagt.


Ich kann es kaum glauben: Im wabernden Nebel am Ufer der Walvis Bay in Namibia tauchen vor unserem Landrover wie aus dem Nichts plötzlich tausende Ohrenrobben auf: Sie liegen dicht an dicht am Strand, aber auch in der Lagune brodelt förmlich das Wasser. Überall sind die Tiere zu sehen und ziehen uns sofort in ihren Bann. Der Geländewagen stoppt und wir springen aus dem Fahrzeug – natürlich in respektvollem Abstand zu der Ohrenrobben-Kolonie am Strand. Denn die Robben-Bullen machen mit lautem Brüllen sofort jedem klar, wer hier der Chef ist. Und wir, das sind unser Guide Craig, George, Simone und ich, wir wollen das auch gar nicht anzweifeln. Das große Raubtiergebiss der Tiere sagt genug. So gerät Simone auch kurz ins Grübeln, ob es wirklich klug ist, sich den Tieren im Wasser zu nähern. Nicht nur zahlenmäßig sind uns die Ohrenrobben haushoch überlegen. 

Unter Wasser entscheiden die Robben, wie nah wir ihnen kommen dürfen.


Gut, dass ich meine erste Erfahrungen mit Robben vor einigen Jahren auf der Insel Helgoland sammeln konnte. Auf der benachbarten Düne leben zwar nicht tausende, aber immerhin ein paar hundert Kegelrobben und Seehunde. Und wer am Ende der Sommersaison mit Tauchermaske und Schnorchel im Badebereich ins Wasser steigt, der kommt ihnen richtig nahe. Wer Geduld hat, den beäugen die Tiere schon nach kurzer Zeit neugierig. Weil die Sichtweiten in der Nordsee nur ein paar Meter betragen, kann es passieren, dass unter Wasser völlig  überraschend plötzlich ein Seehund an der Taucherflosse zupft. Angesichts der scharfen Zähne bin ich froh, einen dicken Neopren-Anzug zu tragen. Als bedrohlich empfinde ich die Situation nicht, trotzdem ist es ratsam, die Tiere im Blick und auch etwas auf Abstand zu halten.  Und um die Bullen mache ich ohnehin einen großen Bogen.


KEGELROBBEN & OHRENROBBEN


Mit diesem Wissen und mit dem erfahrenen Craig an unserer Seite, fühle ich mich deshalb gut gerüstet, um nun den Ohrenrobben in der Walvis Bay näher zu kommen. Zu diesem Zweck lassen wir zunächst mitgebrachte Kajaks zu Wasser. Kaum paddeln Simone und ich los, schwimmen und tauchen die ersten Ohrenrobben an das Boot heran, springen wie Delfine aus dem Wasser und knabbern an den Paddeln. Es ist, als würden die Tiere eine Party feiern. Als Craig nach einer halben Stunde erzählt, dass auch schon mal eine Ohrenrobbe auf das Boot springen kann, hat Simone genug von dieser Nähe und beschließt, die Tiere entspannt vom Ufer aus zu beobachten. George und ich wollen dagegen nun direkt ins Wasser. Mal schauen, wie die Tiere reagieren. Mitten im Gebrodel der Robben ist es jedoch zu gefährlich. Niemand weiß, was da in ihrem Übermut passieren könnte. Am Rande ist es für beide Seiten etwas übersichtlicher. Die Begegnungen mit den Ohrenrobben sind auch dort atemberaubend. In ihrer Neugier kommen die Tiere immer dichter. Besonders meine Kamera scheint für Aufsehen zu sorgen. Als die ersten Robben mit der Nase gegen das Objektiv stupsen, wird es auch für mich Zeit, ans sichere Ufer zurückzukehren. 

Robbentreff vor Helgoland




Unser Autor:
Fin Walden
VDST-Direktmitglied,
Hörfunk- und Fernsehjournalist mit 25 Jahren Taucherfahrung

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