GLÜCKAUF

Zwischen Kalk und Silber – Tauchen im Bergwerk Miltitz


Perfekt für das Tauchen im Winter – während draußen frostige Temperaturen für rote Ohren sorgen, ist es „im Berg“ mit konstant acht Grad Celsius fast schon mollig warm. Punkt neun Uhr öffnet ein Vertreter der Gemeinde die Pforte. Rund 30 Taucher stehen schon bereit. Doch in aller Ruhe checkt Peter Panitz, Chef des Tauchtreff Dresden und Organisator des Bergwerkstauchens in Miltitz, zunächst alle Tauchbrevets, ärztliche Atteste und Logbücher. Ausgebildete Höhlentaucher dürfen in Buddyteams selbstständig das Bergwerk erkunden. Taucher ohne Höhlenbrevet bekommen einen Guide für den Cavernbereich. Zunächst ist Schleppen angesagt. Durch ein riesengroßes, massives altes Holztor betritt man das Bergwerk. Nach einer breiten und stetig abfallenden Rampe eröffnet sich unter Tage eine große, stilvoll beleuchtete Halle mit dem  Einstiegsbereich. Komfortable Bänke zum Anrödeln stehen bereit und über zwei Zugänge gelangt man auch mit komplexer Ausrüstung bequem ins Wasser. Der See im Berg ist erstrahlt türkis mit glasklaren Wasser – doch wie wird es aussehen, nachdem dreißig Taucher den Einstieg passiert haben? Um es vorweg zu nehmen – immer noch glasklar! Viele sind Stammgäste hier im Bergwerk und „haben es einfach drauf“ und selbst die Taucher, die Kurse machen können natürlich tarieren und beherrschen die notwendigen Flossenschlagtechniken.Mit der „Guided Tour“ betaucht man die „Sechs-Meter Sohle“. Diese führt im Halbkreis um den beleuchteten See im Innern. Ständig hat man an der Höhlendecke links den Eindruck, Teile des Sees zu sehen, aber es sind nur luftgefüllte Hohlräume, die von unten angestrahlt bizarr glänzen. Die fest verlegte Führungsleine ist mit Richtungspfeilen klar markiert – nach 15 Minuten Tauchzeit zeigen zwei entgegengesetzte Pfeile die Mitte der Strecke an – ab hier ist es zu beiden Ausgängen in etwa gleichweit entfernt. Am Ende der Sohle wird es zaghaft heller – wir löschen die Lampen und sehen zunächst schwaches Licht, das zunehmend heller wird. Wunderschön sieht die beleuchtete Halle von unten aus. Ein Ausstieg in den See ist hier zwar möglich, ist aber nur für den Notfall gedacht. Fotomotive gibt es massenhaft – gleich nach den ersten Metern sehen wir an die Wand gelehnt, ein wirklich antikes Fahrrad – später eine Reihe von Werkzeugen und Eimer aus der aktiven Bergbauzeit. Die tieferen Stollen führen in Stufen bis in große Tiefen von rund 60m Tauchtiefe. Hauptleinen gibt es nur an den zentralen Stellen. „Ich will hier kein UW-Museum, welches man wie bei einer Führung besuchen kann – es muss immer eine Herausforderung sein und bleiben. Die Taucher müssen sich ihre Wege selbst erarbeiten.“ sagt Peter Panitz zu seinem Projekt – soll heißen: jeder soll sich seine Leinen selbst legen, um das Bergwerk zu erkunden. Folgt man der Hauptleine bis auf 30m Tiefe, kann man in rund 40m Tiefe, nun selbstgesichert, die große Halle erreichen – die berühmte „von Heynitz Halle“. Einen besonders tollen Eindruck bekommt man, wenn Trimixtaucher bereits tiefer in der Halle unterwegs sind – durch deren Scheinwerfer wird die ganze Dimension im glaskaren Wasser erst wirklich erfassbar. Es ist fast schon unglaublich, welche taucherischen Schätze es mitten in Deutschland gibt.

Tauchertreff Dresden
Der Chef der Tauchschule Peter Panitz ist VDST Tauchlehrer und ein Urgestein in der Szene. Die Höhlentauchausbildung findet nach den Standards von IANTD statt. Peter entwickelte mit seinem Team klare Regeln für das Tauchen im Bergwerk. Schon für die Guided Tour gibt es Mindesanforderungen. Jeder Taucher hat drei unabhängig voneinander funktionierende Lampen mitzuführen. Doppelgeräte mit absperrbarer Brücke und ein Safety Reel sind Pflicht. Für selbstständige Tauchgänge im Buddy-Team sind einschlägige Höhlenbrevets notwendig. Rebreathertaucher müssen sich direkt mit Peter in Verbindung setzen.

450 Jahre Bergbaugeschichte
Nicht nur unter Wasser – auch über Wasser gibt es Highlights für Besucher und einen schönen Einblick in den Kalstein- und Silberbergbau des 19.- und 20. Jahrhunderts. Das Bergwerk ist von April bis Dezember an Sonn- und Feiertagen geöffnet und bietet Führungen, aber auch Konzerte und Theaterspektakel unter Tage.

weitere Infos: Tauchtreff Dresden

Unser Autor:
Frank Ostheimer
Stellv. Fachbereichsleiter Ausbildung






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