20 JAHRE APNOE

Es gibt Erfolgsgeschichten. Solche und andere. Eine solche war nach der Initialzündung „Apnoetauchen als Breitensport im VDST“ die geradezu stürmische Entwicklung des Freitauchens endlich auch im VDST.

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VDST-Apnoisten aus den Anfangstagen

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Apnoetauchen in Deutschland, das hat sich im VDST anfangs niemand vorstellen können, denn das Apnoe-Tieftauchen als Kick kannte man bis dahin eher in warmen und klaren Gewässern. Werner Moritzen, seinerzeit Ausbildungsleiter im TLV-SH und immer schon Freak des atemlosen Tauchens, war ganz klar der Motor dieser Entwicklung in unserem Verband. Im VDST-sporttaucher berichtet er dazu: 

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Den ersten Anstoß gab es für mich 1997, als ich von den Deutschen AIDA Apnoe Meisterschaften gehört hatte, die schon anno 1996 von der Zeitschrift unterwasser mit der Teilnahme der ersten Deutschen Nationalmannschaft am Weltcup in Nizza ins Leben gerufen worden waren. (siehe VDST-sporttaucher 6/16 Seite 38).

Dem VDST-Ausbildungsleiter Axel Kern  habe ich dann kundgetan, dass ich mich in Sachen Apnoetauchen gerne engagieren würde. Richtig in Gange kam es daraufhin in 1998: Hanjo Roggenbach, unser damaliger VDST-Mediziner, rief mich an, ob ich bei der französischen (FFESSM) Apnoe Tauchlehrer-Prüfung im August als Beobachter dabei sein möchte. (Parallel startete dort zu diesem Thema auch eine CMAS Sitzung.) Kurz entschlossen nahm ich eine Woche Urlaub und fuhr nach Bormes-les-Mimosas nahe dem Naturschutzgebiet um Port-Cros. Es war natürlich alles sehr aufregend.  Sehr interes-sant für mich war das neue Projekt „Apnoetauchen für Einsteiger“ der Franzosen. Ich fuhr mehrmals am Vormittag mit in ihrem Schlauchboot und den Teilnehmern hinaus, um zu lernen, wie diese Experten ihre Ausbildung gestalten. Insgesamt waren alle beeindruckend gastfreundlich. Nachmittags machte ich bei den praktischen Teilen der APTL-Prüfung mit. Mit einer unglaublichen Vielfalt von Eindrücken und Ideen fuhr ich hochmotiviert wieder nach Hause. Ich suchte mir kompetente Mitstreiter. Curt Teichgräber und Klaus Knodt, apnoe-begeisterte VDST-Ausbilder aus SH, waren sofort dabei.  Sie wurden nach meinem Vorschlag als die ersten VDST Apnoe-TLs mit Zustimmung vom Präsidenten ernannt, damit wir eine erste TL-Prüfung auf Malta durchführen konnten. Unsere Devise war klar: keine Wettkampf-Inhalte, Beschränkung auf sinnvolle Grenzen mit dem Ziel „Spaß am Apnoetauchen“. So wurde zunächst ein praktikables Konzept für zwei sich ergänzende Kurse entwickelt: Start mit einem Wochenend-Seminar im Schwimmbad. Mit Inhalten wie sinnvolle Ausrüstung, Entspannung vor dem tauchen, Atemtechniken, Bewegungsformen, Geschicklichkeitsübungen, Zeit- und Streckentauchen mit entsprechender Sicherung. Das Ganze vervollständigt durch unumgängliche Theorie-Einheiten.

Der zweite Kurs bediente die eigentliche Faszination, das Tieftauchen. In geeigneten Seen wie in Hemmoor wurden die Teilnehmer an diese anspruchsvolle Variante herangeführt. An der als Leitfaden in die Tiefe so wichtigen Grundleine mit Boje konnten das richtige Abtauchen mit wenig Blei, das Einschätzen der Tagesform, die Steigerungsmöglichkeiten hinsichtlich der jeweils erreichbaren Tiefe und die notwendigen Partner-Sicherungen geübt werden. Das alles natürlich unterstützt durch Theorie und durch Kenntnisse über letztendlich entscheidende Druckausgleich-Techniken.

Noch im Oktober 1998 starteten wir in Hemmoor das erste Apnoe Freigewässer-Seminar und luden auch alle VDST-Ausbildungsleiter dazu ein. Nach vielen Dokumentationsaufgaben und Einreichungen unserer Ausbildungsunterlagen in Englisch, den Ordnungen, den Spezialkursen A1 und A2 bei der CMAS wollte ich im Herbst 1999 unbedingt die erste Apnoe TL-Prüfung durchführen. Im letzten Moment bekam ich vom VDST-Vorstand die Genehmigung dafür.  Aus dieser Aktion heraus habe ich zwei neue Prüfer generiert: Uli Wolf und Thomas Mayar. Ganz offensichtlich wurde mit der Einführung des Apnoe-Breitensports im VDST ein latenter und großer Bedarf geweckt. Innerhalb kurzer Zeit machten zahlreiche Ausbilder ihren TL. In fast allen Bundesländern wurden die Spezialkurse Apnoe 1 und Apnoe 2 durchgeführt.

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Weitere Meilensteine:

  • Gründung der TAK Apnoetauchen im VDST
  • Einführung der 10 Sicherheitsregeln
  • Schaffung der drei Apnoe DTSA-Stufen
  • Einführung der Workshops im Ausland
  • Der 4-Stern Apnoetaucher (Rettungstaucher)
  • Trainer C  Apnoetauchen beim DOSB
  • Aktualisierung der Apnoe Brevetierungen Kinder und Erwachsene.
  • Erweiterung des APTL auf die drei Stufen APTL*, APTL**, APTL***

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Apnoe und der VDST im Ausland: auf Malta gab es die Apnoe-TL-Prüfungen von 1999 bis 2002. Auch in Safaga und in Calella de Palafrugel lief jeweils eine TL-Ausbildung. Ab 2005 wurde Kas zum Brennpunkt der VDST Apnoe-Aktivitäten. TL-Ausbildungen liefen dort in Kombination mit Workshops, und das mit übergroßem Andrang der Teilnehmer, die sich da dem Rausch der Tiefe hingeben konnten. In 2019 begeht der VDST hier sein 15-jähriges Apnoe-Jubiläum! In Kas wurde 2010 auch das 4-Stern Brevet entwickelt. Wer diese sehr anspruchsvolle Ausbildung geschafft hat, darf es dann auch mal tiefer machen…Vor Korfu, eine der absolut besten Destinationen für Apnoe im Mittelmeer, wurden von 2004 bis 2015 jährliche Apnoe-Workshops nach VDST-Standards organisiert, mit mehr als begeisterten Teilnehmern. Grotten und Durchbrüche mit nur einem Atemzug zu meistern, ist eben das Abenteuer schlechthin. Korfu wurde dann von Zakynthos abgelöst, wo solche Events sehr schnell ausgebucht seit 2016 laufen. 

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Die Apnoe-Erfolgsserie des VDST von 1999 bis 2018:

  • Über 6600 Teilnehmer an den A 1 und A 2
  • Rund 3000 Brevetierungen in den DTSA-Stufen
  • 226 Apnoetaucher TL

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Die Aufsplittung der Brevetierungen in Pool & Freiwasser kommt im übrigen super an! Leute die Probleme mit Druckausgleich haben oder vom Finswimmung kommen, lernen zu sichern und worauf es ankommt im Schwimmbad. Tauchbasen, die keinen Pool haben, können jetzt im Freiwasser Apnoeisten brevetieren. Was aber wäre dieser Sport ohne die legendären Apnoe-Happenings? Sharanne Wheeler von den Elmshorner Schlickteufeln war es, die dieses Event kreierte und mit ihren dann zahlreichen Helfern eine extrem aufwändige Organisation schaffte. Ergebnisse und Erfolge seit 2002: 15 Jahre, 13 Apnoe Happenings, vier Locations, zwei Länder, insgesamt fast 1400 Teilnehmer! Wenn es ausnahmsweise nicht in Hemmoor und mit Sharanne lief, waren Jörg Eyber, Ralf Hildbrandt und Martina + Torsten Werner die Macher. Diese Happenings waren eine Bündelung vom Schnuppern bis zur Leistungssteigerung, vom AIDA-Probieren hin zu DTSA-Abnahmen – vor allem aber waren sie die Gelegenheit, um sich zu treffen, sich austauschen zu können und Spaß zu haben. Diese Events haben die Verbreitung des Apnoe-Sports im VDST und in ganz Deutschland ganz stark beeinflusst. Schade, sehr schade, dass es sie vorerst nicht mehr gibt!

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Fazit: Auch ein erkennbarer Trend in den letzten 20 Jahren, diese Besinnung auf das einfache. Fahrrad statt Auto. Und sich mit leichtester Ausrüstung in die Tiefe schwingen zu können, das ist Faszination pur. Der VDST war der Initiator für diesen Breitensport in Deutschland. Andere Verbände sind erst deutlich später auf den Zug aufgesprungen. Unser Weltverband CMAS (inzwischen 140 nationale Verbände aus 100 Ländern) hat im übrigen klare Regeln geschaffen und trennt strickt zwischen Leistungs- und Breitensport beim Freediving.

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Unser Autor:

Erhard Schulz

VDST-TL***, Apnoe -TL 

Stellv. Ausbildungsleiter in Schleswig-Holstein 

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