WRACKDOKU

Expedition Walchensee – Das VDST-Tauchercamp mit Archäologe Dr. Florian Huber 


Infos Tauchcamp
5 Tage Tauchcamp am Walchensee
13 Tauchgänge an 2 unbekannten Wracks
Maximale Tiefe 43 Meter
Hunderte von Fotos, 1 Million Temperaturmesswerte, viele Stunden vorm Rechner zur Auswertung und Erstellen des Bericht. Download unter: 
www.florian-huber.info/home/workshops


Im Oktober 2019 fand das zweite archäologische Tauchcamp am oberbayerischen Walchensee südlich von München statt. Dabei handelt es sich um den fünftägigen VDST-Spezialkurs „Unterwasserarchäologie II“, der die Kenntnisse aus den vorangegangenen Kursen vertiefen sollte. Schwerpunkte waren die berührungslose Dokumentation zweier unbekannter Holzwracks mithilfe einfacher Vermessungs- und Zeichentechniken, Foto- und Videodokumentation inklusive 3D-Modellierung sowie das anschließende Verfassen eines umfangreichen Berichts mit eigenständiger Recherche. Basis war der romantisch gelegene Seppenbauernhof in Sachenbach. Dort fanden die täglichen Vor- und Nachbesprechungen statt und in den Abendstunden wurden hier auch die gesammelten Daten gesichtet und analysiert. To-do-Listen bildeten die Basis für den jeweils nächsten Arbeitstag. Aufgrund der anspruchsvollen Tauchtiefe, in der gearbeitet werden sollte, stand die Sicherheit an oberster Stelle. Als besonders interessant stellte sich das sechs Meter lange und zwei Meter breite Wrack, das in 43 Metern Tiefe in der Sachenbachbucht liegt, heraus. Es wurde erst vor Kurzem von den beiden TEC-Tauchern Christian Lugmayr und Markus Federmann entdeckt. Es besteht aus Eichenholz, ist geklinkert und mit diversen kleinen Spanten ausgekleidet. Zur Langzeitmessung der Wassertemperatur wurde ein Datenlogger am Wrack angebracht, um zu sehen, ob es in dieser Tiefe strömungsbedingte Temperaturschwankungen gibt. Nach einer störungsfreien Einsatzdauer von einem Jahr wurde er wieder geborgen. Auffällig sind die im Dollbord eingearbeiteten, nach oben offenen Rundseln mit Eisenbeschlag, in die die Riemen (Ruder) eingelegt wurden. Im vorderen Bereich des Bootes liegt eine Querducht (Sitzbrett) mit einer sechseckigen Aussparung auf dem Dollbord auf. Sie könnte zur Aufnahme eines kleinen Mastes gedient haben. Im Heckbereich befindet sich eine große, halbrunde Achterducht (Sitzbank). Form und Bauart des Bootes sind absolut untypisch für die südbayerische Region und erinnern in weiten Teilen eher an ein Beiboot (Jolle) der Kaiserlichen Marine. Möglicherweise kam es im Zuge des Kraftwerkbaus ab 1918 an den Walchensee und wurde zum Personen- und Materialtransport eingesetzt. Das Walchenseekraftwerk wurde in drei Abschnitten gebaut und 1924 in Betrieb genommen. Es nutzt die Wasserkraft bei einem natürlichen Gefälle von rund 200 Metern zwischen Walchensee und Kochelsee. Während des Baus waren bis zu 2000 Arbeiter im Einsatz; darunter viele Soldaten, die aus dem Krieg heimkehrten und Arbeit suchten. Ein Besuch bei Bootsbaumeister und Inhaber der Walchenseewerft, Andreas Fahrner in der nahegelegenen Jachenau wurde genutzt, um Konstruktionsmerkmale der untersuchten Wracks mit historischen Vorbildern abzugleichen und Fragen zu unterschiedlichen Bauweisen zu stellen. Eine Fahrt mit der Bergbahn auf den 1700 Meter hohen Herzogstand zur Abschlussbesprechung rundeten das erfolgreiche Camp ab.  


Unser Autor: 
Dr. Florian Huber
Archäologe  und VDST-Kursleiter





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